Bericht - Waldkindergarten


Die Regeln sind klar gesteckt: Pipi machen ist auf dem Gelände von Kloster Eberbach verboten. Alle Leute werden freundlich gegrüßt. Im Wald gilt: Keine Pilze und Beeren essen, keine Tiere quälen, auf dem Weg bleiben und bloß keinen Müll wegschmeißen. Für die "Eichhörnchenbande", eine mit bunten Matschhosen bekleidete Meute der Kiedricher Kindertagesstätte "Hickelhäusje", scheinen die Vorschriften beinah ein Ehrencodex zu sein. Auf jeden Fall benimmt sich die vierte Gruppe der gemeindeeigenen Kita vorbildlich - zumindest wenn Fotograf und Redakteurin die kleinen Racker im Wald besuchen. Seit fünf Jahren besteht das Projekt Waldkindergarten, das seinen Geburtstag am Freitag, 24. November, mit einem Fest, einer Klosterführung und Steinberg-Wanderung feiert. 2001 fiel also der Startschuss für das naturnahe Erziehungsprojekt, das anfänglich skeptische Stimmen erntete. Einige Eltern bezweifelten, ob Feinmotorik und vor allem Konzentration gefördert werden. Die Bedenken scheinen inzwischen ausgeräumt. Heute stehen mehr Kinder auf der Warteliste als Plätze für die 20-köpfige Gruppe zur Verfügung stehen. Wer zur "Eichhörnchenbande" gehört, ist schnell abgehärtet. Gemeinsam mit Leiterin Hilde Ujen, Erzieherin Kerstin Walther und Claudia Rückert, Gründerin der Fördervereins, geht es nach dem Morgenkreis mit Begrüßungslied und Bilderbuchbetrachtungen bei jedem Wind und Wetter in die Natur. Ausgerüstet mit Rucksack, Isomatte, Wasser zum Händewaschen, Taschenmesser, Gartenschere, Bestimmungsbücher und dem selten benutzten Erste-Hilfe-Koffer. Wenn die Kleinen nicht den Wald erkunden, geht es mit dem Fledermaus-Experten Stefan Hoeltke in den Dachboden des Klosters, nach Frauenstein auf die Suche nach Tetronschnecken oder die Bande fackelt mit den Klostergärtnern ein Lagerfeuer ab. Außerdem weist der Chemiker Karl Brenner regelmäßig den Nachwuchs in naturwissenschaftliche Experimente ein. "Unternehmungen, die kaum Geld kosten und sehr lehrreich sind", betont Leiterin Hilde Ujen. "Bei uns lernen die Kinder nicht aus Büchern, sondern aus Erfahrungen." Die Erzieherinnen stellen nach fünf Jahren Waldkindergarten fest: Die Mädchen und Jungen haben ein ausgeprägtes solidarisches Gruppengefühl. Das Toben an frischer Luft stärkt die Kondition und die Koordination der Bewegungen. Auch werde die Sprache gefördert, weil die Kinder nicht durch allzu viel Spielzeug abgelenkt sind. Stolz ist Ujen, dass ehemalige "Waldis" in der Grundschule ein "gutes Arbeits- und Sozialverhalten" vorweisen. Und froh sind die beiden Chefinnen der "Eichhörnchenbande", mit dem Pförtnerhäuschen eine Unterkunft auf dem Klostergelände zu haben. "Eberbach bietet für die pädagogische Arbeit wahre Schätze." Ihren fünften Geburtstag feiert die "Eichhörnchenbande" am Freitag, 24. November, von 10 bis 12 Uhr am Pfortenhäuschen am Kloster Eberbach. Interessierten wird in der Orangerie das pädagogische Konzept des Waldkindergartens erklärt. Um 14 Uhr startet eine Wanderung in den Steinberg.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de