Er spricht von der Liebe, der Sehnsucht, den Träumen, wie andere von Autos, Urlaub und Eigentumswohnung. Ohne Pathos, aber auch ohne Beliebigkeit. Doch eigentlich überrascht die beinah schon professionelle Emotionalität nicht. John Kelly stand bereits als Kind auf zig Straßen und später in unzähligen Stadien. Der gebürtige Spanier aus dem kastillischen Städtchen Talavera de la Reina ist auf 25 Alben zu hören. 20 Millionen Kopien wurden verkauft und mit 48 Gold- und Platin-Auszeichnungen geehrt.
Viele Mädchen waren von dem Frontman mit der langen braunen Mähne der populären Kelly Family verzückt. Andere wieder ergriff die Gänsehaut allein angesichts Daddy Dan, Mom Joanne und den neun Kindern, der harmonischen Pop-Folk-Familie, die in Doppeldeckerbussen und auf Hausbooten lebte, in 20 US-Bundesstaaten, Irland, Brasilien, Südafrika und irgendwann in den 80er Jahren auch auf dem Mauritiusplatz in Wiesbaden tourte. Die Kellys hatten natürlich nicht nur Freunde. Lästermäuler bezeichneten sie als die "singende Altkleidersammlung".
Bis 2000 hielt die Familien-Firma zusammen. John ("Ich war so was wie Heintje") sah keine musikalische Zukunft in dem Clan, zog sich aus dem turbulenten Business zurück. Ein Schock für viele Fans. Doch seit Juni ist der 39-jährige John Kelly "voller Power" und gemeinsam mit seiner baskischen Ehefrau Maite Itoiz (31) wieder am Start. Sie melden sich mit ihrem eigenen musikalischen Projekt "Tales From The Secret Forest" zurück und präsentieren beim Festival der Märchen im Kloster Eberbach am Freitag, 24. November, Auszüge aus dem Programm, das eine "Mischung aus Musical und Konzert" darstellt. Kellys Geschwister wiederum treten, wie jüngst in der Wiesbadener Ringkirche (wo sie auch am 27. Januar wieder gastieren werden), bei ihrer "Good News"-Tournee nicht mehr in Konzerthallen, sondern in Gotteshäusern auf.
Kelly, der beim Telefonat mit dieser Zeitung aus seinem Haus in Pamplona auf die Ausläufer der Pyrenäen bei "frühlingshaften Temperaturen" blickt, räumt ein: Beim Spektakel im Rheingau, das die Wiesbadener Zoffel Steiger Gruppe Eventagentur GmbH veranstaltet, "gibt es John und Maite mehr oder weniger pur". Der Cirque de Soleil Künstler Jesko von den Steinen sowie die Trapezkünstlerin Roma Hervida sind also nicht mit von der Partie, ebenfalls nicht die elfköpfige Band. Ehepaar Kelly singt "halb playback".
Von seinen "Roots", wie John sagt, also Wurzeln, hat das Paar sich bei "Tales From The Secret Forest" gelöst. Er, auch wenn er die langen Haare immer noch trägt, von der Kelly Family; sie von der Opernwelt. Maite Itoiz, Tochter des bekannten Gitarristen Carlos Itoiz, zählt zu den Großen in Spanien, die ihren Sopran bei Mozarts Arien oder Stücken von Puccini mit kraftvollem Vibrato durch die Konzerthallen schleudert. Das "noch kinderlose" Paar präsentiert Popsongs, die untermalt von mystischem Backgroundgesang und vor allem wegen der eingesetzten Metall-Harfe irgendwie nach Irland klingen. Oder nach treibendem Folkrock oder nach einem klassischen Trauerlied. Zwischendurch vermischen sich elektronische Synthis und gregorianischer Gesang. Maite intoniert auf Latein und John steuert mit seinem Bariton die deutschen Verse zu. Und dann gibt es noch die mittelalterlich anmutende Story mit einem Feen-Jungen, der aus dem geheimen Wald in die Realität kommt und zum ersten Mal Emotionen wie Liebe und Hass, Traurigkeit und Glück begegnet.
Für 2007 plant das Künstlerehepaar eine Tournee. In diesem Jahr sind neben der 45-minütigen Kostprobe im Kloster Eberbach Promotion-Termine bei Print, Funk und Fernsehen angesagt. Denn den Routiniers, die sich für die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland in Brasilien einsetzen, ist bei allen Gefühlen nur allzu klar: "Es hilft die tollste Produktion nichts, wenn sie nicht bekannt wird."
John Kelly und Maite Itoiz stellen Ausschnitte von "Tales From The Secret Forest" beim Festival der Märchen am Freitag, 24. November, um 20.15 Uhr in der Basilika des Klosters Eberbach vor. Die Karte kostet 18 Euro. Bestellungen unter 0611 / 33 49 63 13.
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