Bericht - 20. Glorreichen Tage


Für die jungen Leute der Hotelfachschule Villingen-Schwenningen hat der Tag schon früh begonnen. Gegen 6 Uhr morgens hat sie ein Bus zu Hause abgeholt. Jetzt ist es 19 Uhr, die weißen Schürzen haben sie gegen Jeans getauscht, alle sind erschöpft. Ehe es wieder auf den Heimweg geht, holen sie sich ihr Lob ab: "Ihr ward klasse", sagt Egbert Engelhardt. Der Koch, früher Küchenchef im legendären "Grauen Haus" in Winkel hat gemeinsam mit vielen Kollegen und den Hotelfachschülern sechs Stunden Höchstleistung bei der Riesling-Gala im Laiendomitorium von Kloster Eberbach hinter sich: Sechs-Gänge-Menü für 500 Teilnehmer, zu jedem Gang zwei verschiedene Weine, Sekte und Edelsüße zum Dessert. Drei Montate vorher haben die Köche begonnen, das Menü zu komponieren und aus 150 Weinen die passenden auszusuchen. Am Gala-Tag ist alles Teamarbeit, auch in der Küche. "Da muss ein Zahnrad ins andere greifen", erklärt Rolf Laudenbach, mit Engelhardt und Kazuya Fukuhira Gründer und Mitgesellschafter der Gastronomiefirma "Consortium" in Wiesbaden. Wie im Akkord werden hunderte von Tellern hergerichtet, verziert, bis alles passt, auch fürs Auge. Neben Laudenbach und Fukuhira haben auch Matthias Böhler (ehemals Schloss Vollrads) und Josef Laufer (Juniorchef im "Krug" in Hattenheim) Gänge des Menüs gekocht. Erstmals dabei ist Stefan Marquard aus München, bekannt als "Papa Crazy" und Fernsehkoch bei RTL, seine Koch-Crew ist an den schwarzes T-Shirts zu erkennen, er selbst am roten Stirnband. Aber eigentlich sollen die Weine gefeiert werden, darunter viele Erste Gewächse aus Rheingauer VDP-Betrieben. "Wir freuen uns jedes Jahr auf die Gala, nach einer schwierigen Lese wie diesmal ganz besonders", sagt Wilhelm Weil, Chef und Mitinhaber des Kiedricher Weingutes Robert Weil und Vorsitzender des VDP Rheingau. Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel sieht in den Glorreichen Tagen eine wichtiges Ereignis für den gesamten Rheingau: "So etwas nutzt allen." Die insgesamt 34 Veranstaltungen hauptsächlich in Rheingauer VDP-Weingütern haben vor allem einen Marketing-Effekt, das große Geld ist mit den aufwändigen Weinproben und Menüs nicht zu machen, im Gegenteil - der VDP ist froh, wenn nach der Abrechnung der Gala keine roten Zahlen übrigbleiben. Die einzelnen Betriebe setzen während der Glorreichen Tage auf unterschiedliche Konzepte. "Kleinere Veranstaltungen gehen besser", meint Dieter Greiner, Chef der Hessischen Staatsweingüter. Seine Erfahrung: Bei Weinprobe und Essen muss nicht immer Kulturprogramm dabei sein. Das Weingut Balthasar Ress in Hattenheim serviert sein seit Jahren aufwändiges Menü- und Showprogramm zweigeteilt: Für die After-Dinner-Party im Weinkeller werden Karten für 29 Euro verkauft. Seniorchef Stefan Ress freut sich über regen Zuspruch: "Da kommen sehr viele Leiute, die bei den Glorreichen Tagen sonst nicht dabei wären." Und wärend er und seine Kollegen schon das nächste Jahr im Auge haben, gibt es im Laiendormitorium Riesenbeifall für Weine, Service, Küchenbrigrade, Musiker (Bernd Hans Gietz Trio und die Wiesbadener Juristenband) und den größten Blumenstrauß für Ingrid Datt, die Chef-Organisatorin hinter den Kulissen. Die Hotelfachschüler, die sechs Stunden lang viele Kilometer weit auf den Beinen waren, bekommen noch ein Care-Paket mit auf den Heimweg, und die Köche treffen sich zum Essen: "Ein schönes Schnitzel mit Kartoffeln", verrät Rolf Laudenbach.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de