"Der Herbst ist daheim", freuen sich die Bibos. Ein anstrengender Monat liegt hinter der Kiedricher Winzerfamilie. Während die Männer im Weinberg mit Traubenlesen und im Keller mit der Weinverarbeitung beschäftigt waren, bewirteten die Frauen die Gäste im Gutsausschank.
"Wir hatten in diesem Herbst viel Fäulnis an den Trauben zu beklagen", erklärt Stefan Bibo. "Durch das milde Wetter und die Regentage kurz vor der Lese kamen wir in Zeitdruck. Wir mussten schnell mit der Ernte beginnen." Rund 95 Prozent der Ernte seien von Fäulnis betroffen gewesen, da kam es auf ein zeitnahes Vorklären des Weines an. "Der Fäulnisgeschmack durfte unter keinen Umständen in den Wein gelangen", betont Winfried Bibo und Sohn Stefan erinnert sich, dass man schon einige Wochen vor der Weinlese den Essiggeruch in der Gemarkung deutlich wahrgenommen hat. Verursacher der Essigbakterien sind die winzigen Fruchtfliegen, die ihre Eier in den faulen Trauben ablegen. Die Weinberge, die befallen waren, mussten zügig geerntet werden. "Wir sind bei Wind und Wetter in die Wingert gefahren, es war ein kurzer Herbst dieses Jahr."
Eigentlich wollten Vater und Sohn in diesem Herbst mit Maischestandzeiten arbeiten, statt dessen kam es nun auf eine schnelle Verarbeitung an. Zunächst wurde die Mostschwefelung vorgenommen, damit die Essigbakterien abgetötet werden konnten. Dann wurden mit Gelatine und Enzymen der Wein vorgeklärt.
"In diesem Jahr wurden wenig hohe Spitzenqualitäten geerntet", fasst Stefan das Leseergebnis zusammen und vermutet: "Es wird dieses Jahr auch kaum Eiswein geben."
Aus dem Resümee der Winzer lässt sich deutlich ablesen: Ein eher schlechtes Jahr für Winzer und Weinfreunde. Aber es gibt auch Erfreuliches zu berichten. "Alle Maschinen sind heil geblieben", lacht Stefan. "Nur der Maischewagen war einmal verstopft."
Nicht nur im Weinberg ging es turbulent zu, auch im Gutsausschank "Zum Bur" hatten die Frauen alle Hände voll zu tun. "Jeden Abend war bei uns volles Haus", erinnert sich Christa Bibo. Vielleicht war es der süffig-süße Federweißer der die Gäste magisch angezogen hat, vielleicht war es aber auch der Zwiebelkuchen, den Schwiegertochter Anke jeden Tag frisch gebacken hat. "In den Gutsausschank kamen viele Wanderer. Da merkt man, wie gut der Rheinsteig angenommen wird", freut sich Winfried Bibo.
Trotz der vielen Arbeit wurden auch die Kutschfahrten nicht vernachlässigt. "Bald haben die Pferde Winterpause, doch im Moment haben wir noch viel zu tun" sagt der "Bur". Im Winter werden die Pferde auf die Koppel gestellt. "Dann haben sie genug Auslauf. Ich mache besonders mit dem jungen Gespann zusätzlich regelmäßige Trainingsfahrten." Am vergangenen Wochenende fuhr der "Bur" eine Gruppe Schornsteinfeger zu den schönsten Fleckchen im Rheingau. Wer so viele Glücksbringer spazieren fährt, dem muss das Glück hold sein, denkt sich Winfried Bibo und blinzelt zu seiner Frau hinüber: "Am Wochenende muss ich dran denken und Lotto spielen."
"Der Herbst ist bei uns immer Hauptsaison", fasst Stefan Bibo die vergangenen Wochen zusammen. "Der ganze Herbst war gut ausgebucht. Es ist immer hektisch und stressig, man muss alles mitnehmen", sagt der "Bur" rückblickend. Und seine Frau Christa bestätigt: "Aber es macht auch sehr viel Spaß, wenn man sieht, dass unsere Arbeit Erfolg hat."
Und dass die Arbeit der Bibos Erfolg hat, beweisen nicht nur zahllose zufriedene Kunden und Stammgäste, auch die alljährlichen Auszeichnungen für Weinqualität und -geschmack sind ein untrügliches Indiz. Am Sonntag, 29. Oktober, präsentieren die Bibos ihre Siegerweine der Landeswein- und Sektprämierung im Kloster Eberbach. Bei der deutschlandweiten Prämierung erzielten drei Weine und zwei Sekte aus dem Weingut "Zum Bur" die begehrten Preismünzen. Die spritzige Komposition "Bursecco" wurde mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet, zwei Ausschankweine und ein extra trockener Rieslingsekt erzielten die Bronzemedaille. Für den 2005er Weißherbst Kabinett gab es sogar die Goldmedaille.
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