Bericht - Hedwig-Witte-Blick


Vom Hedwig-Witte-Blick, zu dem der Weg vom Parkplatz Butterhütte an der Straße nach Hausen führt, haben Wanderer einen herrlichen Blick übers Rheintal. 485 Meter über dem Meeresboden liegt das Plätzchen im Kiedricher Hahnwald, sagte Bürgermeister Winfried Steinmacher (SPD) bei der offiziellen Übergabe der renovierten Schutzhütte an die Öffentlichkeit. Dank Spenden des Lauftreffs der Turnerschaft Kiedrich und der SPD Kiedrich war es möglich, dass die Gemeinde die Hütte erneuern konnte. Bürgermeister Steinmacher erinnerte daran, dass die Rheingauer Mundartdichterin immer wieder von dem Blick auf den Rhein schwärmte, den man von diesem Fleckchen aus hätte genießen können, wenn nur die vielen Bäume nicht gewesen wären. Der damalige Bürgermeister Siegfried Siems - der selbst bei der offiziellen Übergabe zugegen war - und Revierförster Harras sorgten 1980 dafür, dass die Bäume gefällt wurden, "was eine große Überraschung für die Mutter des Rheingauer Mundartvereins war", so Steinmacher. Schon seit dieser Zeit wurde der Platz "Hedwig-Witte-Blick" genannt, an dem sie als Siebenjährige erlebte, wie ihr Vater einen Rehbock geschossen hatte. Der Baumbestand wuchs aber wieder nach. Schließlich war es dem Borkenkäfer-Befall zu verdanken, dass die Bäume wieder abgeholzt werden konnten und Spaziergänger wieder freie Sicht ins Rheintal hatten. Eigentlich sollte die jüngste Matinée des Mundartvereins, die dem 100. Geburtstag der Heimatdichterin gewidmet war, an deren Lieblingsplätzchen stattfinden. Wegen schlechten Wetters musste die Veranstaltung aber ins Bürgerhaus verlegt werden. Hedwig Witte war am 5. Juni 1906 in Eltville als Tocher des Winzers, Weinhändlers und Kommissionärs Fritz Schmidt geboren waren. Ihre Familie hatte schon nach der Säkularisation 1803 die früher zum Kloster Eberbach gehörende Mühle am Eltviller Stadtrand gekauft, die heute nach wie vor als Gutsausschank und Weingut unter dem Namen "Klostermühle" bekannt ist. 1983 war sie Mitbegründerin des Rheingauer Mundartvereins, dessen Vorsitzende heute Ulrike Neradt ist. Der Rheingauer Weinbauverband ehrte sie mit dem goldenden Rieslingblatt, weitere Auszeichnugnen waren die Kulturplakette der Gemeinde Kiedrich, Landesehrenbrief und Bundesverdienstkreuz. 1953 wurde ihr Singspiel "Die Hallgartner Jungfer" als bestes hessisches Volksstück gewürdigt. Ihre Bücher, so Bürgermeister Steinmacher bei seiner Laudatio für die heimatdichterin, seien eine Fundgrube für Volkskundler und Sprachforscher.

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