Der vom KV-Vorsitzenden Dieter Klein angekündigte "bunte Strauß von Volkskunst und Volkskultur" war vortrefflich gefüllt mit mundartlichen Vorträgen von Ulrike Neradt und Theo Büttel sowie Sketch-Szenen von Rosemarie Haas und Elke Gotscher. Im Dialog von Moderator Joachim Renz mit Martina Bleymehl-Eiler erfuhren die Zuhörer allerlei Wissenswertes über die Entstehung des Herzogtums Nassau, dem Bad Schwalbach seit 1816 angehört. Dass die Bezeichnung "Nassauer" im 16. Jahrhundert für Regenschauer stand, war den meisten Gästen unbekannt.
Die (bekannte) üble Nachrede, dass Nassauer "nassauern, nämlich schnorren" ist völlig ungerechtfertigt. Die Redensart bezieht sich auf Personen, die sich am Freitisch der Nassauer Studenten in Göttingen unberechtigerweise verköstigten. Die Beköstigung der etwa 100 Gäste im Kurhaus gab´s dreigängig mit musikalischer Untermalung von Theo Gärtner. Dessen klassischen Klavierstücken, Volks-, Kunst- und Weinliedern hätten viele Zuhörer gern ohne Gabel- und Messergeräusche gelauscht. Anderen indes gefiel die Hintergrundmusik als erlesen begleitendes Element beim Genuss von Nassauer Gerichten.
Vom Traubenanbau und Weinversteigerungen mit "Duddeknalle" (Tütenknallen) im Kloster Eberbach erzählte Ulrike Neradt. Ihrem Mundartvokabular setzte sie mit Begriffen wie "Schelleklobbe" und "Possierstengel" noch eins drauf in ihrem Rückblick auf eigene Erfahrungen beim "ZK in de Kersch". Auch Theo Büttel plauderte mundartlich über Vergangenes, was jedoch in der Gegenwart noch immer belustigt. Vor allem die Episode der "tretschnass Tante beim Heumache".
Zu gebremster Weißglut trieb eine reisewillige Rentnerin (Rosemarie Haas) die in Langmut geübte Angestellte eines Reisebüros (Elke Gotscher). Auf jedes angepriesene Angebot reagiert die Rentnerin mit vorverurteilenden Gegenargumenten. Schlussendlich beschließt sie, sich "von der Krankenkasse eine Kur in Bad Schwalbach verschreiben zu lassen". Begeisterten Beifallgab es auch für das maulreißerische "Schwätzje am Broddel-Brunnen", wo beide "Labbedussel, Schwalbacher Plasterschisser" und "verrobbte Zoddelkepp" aufs Korn nahmen - frei nach dem Motto "mir schwetze jo net übber die Leut, mir redde jo bloß". In seiner Begrüßung hatte Bürgermeister Michael Kalhoff zuvor den Wunsch geäußert, "dass die Kinder ein wenig mehr über Dialekt und Tradition in den Schulen erfahren", was lebhafte Zustimmung fand. Auf Anerkennung stieß die tänzerische Anmut und die unbeabsichtigte Komik von fünf Elevinnen der Kinder-Ballettgrupe des TV Bad Schwalbach. "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" suggerierten 17 Hornisten des Parforcehorn-Corps Jagdschloss Platte unter der Leitung von Karl-Heinz Kliegel. Ihr enormes Gestaltungspontenzial setzten sie fort mit der "Kaiser-Fanfare" sowie Rossinis ergreifender Komposition "Le rendez-vous de chasse". Sehr bereichernd waren auch die Einführungen in die Jagdgeschichte und die Entwicklung vom Signal- zum Musik-Instrument.
Der Schluss-Applaus honorierte alle Akteure. Die Begeisterung allerdings erschien entgegen früherer Nassauer Abende im Altenheim ein wenig verhaltener. Dort war es halt "gemütlicher", "weniger würdig als im Kurhaus" meinten manche. Andere ergänzten "aber schön war es hier auch".
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