"Während der Zeit im Kloster bekam ich einen Teil der Schriften des Pater Bär in die Hände", so die Amerikanerin, die mit ihrem Mann über dem Laiendormitorium wohnte. Zu dem Pater und Geschichtsschreiber fand sie heraus, dass er 1741 in Ober-Olm geboren wurde. Er trat am 4. November 1761 ins Kloster ein und beschäftigte sich dort mit historischen Studien. Nach Aufhebnung der Abteil im Jahr 1803 zog er nach Mainz und starb dort am 24. Dezember 1814.
Hintergrund
Er hat die Enteignung geistlicher Fürstentümer und der allermeisten Klöster am Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch am eigenen Leib erfahren. Doch seine Klostergeschichte endet bereits im 14. Jahrhundert. "Man könnte eigentlich sein Werk fortsetzen. Vielleicht gibt es ja auch irgendwo noch Unterlagen und Dokumente, die er gesammelt hat", hofft die Amerikanerin, Absolventin der Georgetown University in der Hauptstadt Washington. Mit dem Diplom "Bachelor of Science" kam sie als Austauschstudentin nach München: "Ich bin hier hängengebleiben."
Jane Muehlum hält einen Schuber mit braunem Leinenbezug und Goldprägung in den Händen. Darin die sieben Bände Klostergeschichte, im gleichen Leinen gebunden, ebenfalls mit einer goldenen Schrift versehen. Nachdem sie Fragmente der Schrift entdeckt hatte, machte sie sich auf die Suche nach dem übrigen Teilen.
Im Archiv des Vereins für Nassauische Altertumskunde kam die Kunstbeflissene, die sich in Washington auf den diplomatischen Dienst vorbereitet hatte, weiter. Es bedurfte allerdings der Vermittlung der Erben des letzten Abts von Eberbach. Der Verein hatte in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Schrift, nach der sie forschte, in Heftform herausgeben.
Drei Originalhefte konnte Jane Muehlum vom Hessischen Hauptstaatsarchiv erwerben. Fehlende Teil der Schrift durfte sie in der Landesbibliothek in der Rheinstraße kopieren: "Ich vermute, dass die Schrift nur im Hauptstaatsarchiv und in der Landesbibliothek zu lesen ist. In privaten Händen dürfte es kein vollständigen Exemplar geben." Das Stück, das sie jetzt besitzt, wurde von dem Buchbinder Richard Wieden gebunden. Es ist sehr schön geworden und bekommt einen Ehrenplatz in der Muehlumschen Bibliothek. Dort steht neben vielen anderen alten Büchern auch eine Schrift von Demosthenesaus dem Jahre 1569, der als bedeutendster Redner des antiken Griechenland gilt.
Vorsichtig blättert Jane Muehlum in dem Werk des Pater Bär, das sie beinahe auswendig kennt. Ihr gefällt, dass der fromme Mann sich so ausführlich mit der Alltagsgeschichte von Eberbach beschäftigt hat. So gab es im Jahr 1210 einen Streit um Schuhe. Die bereits zwölf Monate getragenen Exemplare der Mönche sollten an die Laienbrüder weitergereicht werden. Die empfanden das als Zumutung und kündigten den Gehorsam auf. Später gab´s neue Schuhe für sie.
Sieben Jahre danach setzten sich die Eberbacher Mönche mit dem Sankt Peter Stift in Mainz auseinander. Die Mainzer glaubten das Recht zu haben, auch von den Neuanpflanzungen auf dem Steinberg den Zehnten zu kassieren. Im Streit darüber holten sie sich die reifen Trauben. Vor einem Kirchengericht in Rom ist diese Auseinandersetzung mit einem Vergleich beigelegt worden. Die Amerikanerin: "Ich kenne den Steinberg sehr gut, weil ich fünf Herbste dort in der Weinlese geholfen habe." Der Traubenklau, so sagt sie, fand vor dem Bau der Mauer rund um den berühmten Wingert statt. Vielleicht war er ja sogar Anlass, den Schutzwall zu errichten.
Jane Muehlum hat den Bänden des Pater Bär auch entnommen, dass bereits von 1116 und 1131 eine vom Mainzer Erzbischof Adalbert I. gegründete Ansiedlung von Augustiner-Chorherren und Benediktinern in Eberbach hauste. Die werden jedoch von Adalbert selbst wegen Zuchtlosigkeit von dort wieder vertrieben und siedeln nach St. Aegidius in Mittelheim um. Im Jahr 1136 wird von Bernhard von Clairvaux an dieser Stelle das erste rechtsrheinische Zisterzienserkloster gegründet. In Bärs Schrift "kommen die Schrecken des Dreißigjährigen Krieg im Kloster mit dem Einfall der schwedischen Truppen 1631 schon nicht mehr vor", so Jane Muehlum. Sie denkt jetzt über einen Vortrag zum Thema "Bär-Bände" nach. Noch sucht sie den geeigneten Ort und das geeignete Publikum dafür.
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