Mozart steht im Gedächtnisjahr verständlicherweise oft auf den Konzertprogrammen. Man ist dankbar für das breite Angebot aus dem reichen Werk des Salzburgers, insbesondere dann, wenn seltener gespielte oder neu bearbeitete Kompositionen zu hören sind. Martin Lutz widmete sich im Konzert des Bach-Ensembles Wiesbaden im Dormitorium von Kloster Eberbach eingangs der Interpretation der populären Serenade in D-Dur, bekannt als "Posthorn-Serenade", der er als Novum einen Marsch in D-Dur (KV 320a) in pompösem Schmetterklang des Blechs voran stellte. Er musizierte die sieben Sätze der Serenade spritzig und gelöst, mit schönen Soli der Bläser im Concertante, im ersten Menuett ausgreifend, im zweiten mit dem Signalmotiv des Horns in verspielter pfiffiger Manier, mit leicht melancholischem Anhauch im Andantino und einem elanvollen Finalsatz. Bekanntlich ist der rührige Leiter der Schiersteiner Kantorei immer auf der Suche nach dem Unbekannten oder Neuen.
Diesmal konfrontierte er mit der Sinfonie in c-Moll von Martin Kraus (1756-1792) die Zuhörer mit einem Werk, das mit seinen immensen Spannungselementen, der Dramatik der Anlage den vorher gehörten Mozart fast vergessen ließ. Wenn man sich das Oeuvre des in Miltenberg am Main geborenen Komponisten vergegenwärtigt, fällt auf, dass sein Schaffen vorwiegend von Molltonarten und Trauermusiken bestimmt wird. Die 1783 entstandene dreisätzige Sinfonie in c-Moll lebt in den Ecksätzen von kontrastierender Themenführung und starker Akzentuierung, man ist geneigt, von einer hinreißenden bewegten szenisch-dramatischen Aktion zu sprechen, die vibrierende emotionale Hochspannung hält in Atem. Das auf der Basis dunkler Harmonien intensiv vorwärts drängende Tongeflecht äußert sich trotz der packenden Steigerungsmomente in klassischem Pathos. Beeindruckend das Ebenmaß der Form im von elegischen Tönen bestimmten Andante.
Kraus wurde von seinen Zeitgenossen hoch geschätzt, Joseph Haydn war Dirigent der Uraufführung der c-Moll-Sinfonie in Esterháza. Als letzte Komposition schrieb Kraus die "Symphonie fun´Zbre" zum Tod König Gustav III., in dessen Dienst er als Hofkapellmeister seit 1778 stand. Es war auch seine Todesmusik, er starb im selben Jahr, fast gleichaltrig mit Mozart. Überaus begeisterter Beifall, der der fesselnden und passionierten Interpretation in fülligem Streicherklang galt, aber auch Ansporn sein sollte, dem "badischen Mozart" mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
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