Bericht - Eberbacher Weinversteigerungen


Als Geburtsstunde der Eberbacher Weinversteigerungen gilt das Jahr 1806. Damals wurden im Zuge der Säkularisierung die Weinkeller des Klosters Eberbach ausgeräumt und wertvolle Weine zu günstigen Preisen unters Volk gebracht. Heute, mit den hessischen Staatsweingütern als Veranstalter, ist das natürlich anders, Leo Gros, Auktionator der Weinversteigerungen im Kloster Eberbach. Man achtet schon sehr darauf, dass "unsere Qualitätsweine" nicht unter Wert weggehen. Auch kommt der Wein schon lange nicht mehr in großen Fässern, sondern in Flaschen unter den Hammer. Heilige Hallen Sonst aber ist für die Weinversteigerungen in den "Heiligen Hallen des Rheinweins" eine beeindruckende Kontinuität charakteristisch. Bestimmte Regeln haben halt Tradititon. Bereits 1806 begann die Veranstaltung stets um 13 Uhr. Ein "gut bestücktes Konto und eiserne Nerven" sind damals wie heute die wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bieter. Und die meist gestellte und entscheidende Frage lautete schon immer "Wie hoch kommt er?", was nichts anderes bedeutet als die mit Spannung gestellte Frage "Wie teuer wird der Wein?". Trockene AuktionAuch an der großen Zahl von "Schnutetunkern" im Publikum, also den Gästen, die nicht mitsteigern, sondern bloß kostenlos in den Genuss der gereichten Weine kommen wollen, habe sich über die Jahrhunderte nichts verändert, schmunzelte Weinkenner Leo Gros. Es habe deshalb immer mal wieder Überlegungen gegeben, die Versteigerungen künftig "trocken" über die Bühne gehen zu lassen und so die Schaulustigen von der Veranstaltung auszuschließen. Die Gründe sind nicht von der Hand zu weisen. So argumentieren die Befürworter einer "trockenen Versteigerung", dass die entscheidenden Leute, sprich die Bieter, die Weine ja sowieso bereits im Voraus probieren, damit die Probe während der Versteigerung also überflüssig sei. Da die traditionelle Form der Weinversteigerung aber eine nicht zu unterschätzende Öffentlichkeitswirkung habe, bleibe vorerst aber alles beim alten, versicherte Leo Gros. Denn wie bemerkte schon ein zeitgenössischer Autor des 19. Jahrhunderts: "Was wären die Rheingauer Weinverkaufsmessen ohne die Folie 100 schmatzender und ausspuckender Menschen?" Zahlreiche solcher Anekdoten und Zitate aus alten Zeitungen schmückten den kurzweiligen, dialektgefärbten Vortrag von Leo Gros. Um seinen Ausführungen immer vollends folgen zu können, wäre es allerdings notwendig gewesen, mit dem Prozedere der Erbacher Weinversteigerungen zumindest in groben Zügen vertraut zu sein. Bloße SpekulationsobjekteDer Vortrag endete mit einer amüsanten Spitze gegen jene Bieter, die wertvolle Weine bloß als Spekulationsobjekte erwerben: "Wer solche Weine nicht selber trinkt, soll vom Bannstrahl getroffen werden". Der herzliche Applaus der aufmerksamen Zuhörerschaft im gelben Saal der Kurfürstlichen Burg war ihm daraufhin sicher. Eine dem Thema angemessene Reaktion wäre es dagegen gewesen, aufgeblasene Brötchentüten knallen zu lassen und Hüte zu schwenken. So nämlich, erklärte Leo Gros, reagieren die Auktionsbesucher gestern wie heute, wenn für einen Wein ein außerordentlich guter Preis erreicht wurde.

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