Bericht - Reichem Ertrag


Wie man aus wenig ganz viel machen kann, hat Thomas Hengelbrock unlängst bei den Salzburger Festspielen gezeigt. Da dirigierte und inszenierte er im Rahmen der Gesamtaufführung aller Bühnenwerke Mozarts dessen Hirtenszenerie "Il re pastore", als ob´s ein Wandertheater wäre. Spartanisch die Mittel in einer Universitätsaula, doch reich der künstlerische Ertrag, so wurde diese Produktion gelobt. Nicht wesentlich anders war das jetzt in der Basilika von Kloster Eberbach beim Gastspiel von Hengelbrock mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble. Knapp anderthalb Stunden dauerte ihr Barockprogramm und war doch so ergiebig, so musikalisch dicht, dass selbst eine Pause eine störende Zäsur bedeutet hätte. Typisch Hengelbrock: In seinen Konzerten bietet er regelmäßig Gelegenheit, selten aufgeführte Kompositionen zu hören, in Eberbach etwa eine Sinfonia des 1617 geborenen Johann Rosenmüller, ein affektstarkes Stück, dessen nervös-flatternde Streicherpassagen das Ensemble packend umsetzte. Zudem waren gleich zwei Verwandte von Johann Sebastian Bach hier tönend vertreten, sein als "Meininger Bach" bekannter Cousin Johann Ludwig mit einer Motette, sein Großonkel Heinrich Bach mit einer "Sonata in C", deren permanentes Wechselspiel von Drängen und Entspannung Hengelbrock von der Seite des Podiums verfolgte. Er kann sich eben auch zurücknehmen, sich auf seine exzellenten Orchestermusiker, auch wenn er nicht dirigiert, verlassen: Gerade elf waren es in diesem Konzert. Auch insoweit kann wenig ganz viel bedeuten. Ebenso exzellent führten die Mitglieder des Chors ihre vokalen Aufgaben aus, selbst die solistischen, wie in Johann Sebastian Bachs früher Kantate "Christ lag in Todes Banden" BWV 4. Die Stilsicherheit, der strahlende Obertonreichtum der Stimmen, dazu die durchweg exakte Artikulation - darauf konnte man sich stets verlassen, ob in einer Trauermusik Henry Purcells oder in Bachs Motette "Komm, Jesu, komm" BWV 229, dem Abschluss dieses zur Kontemplation einladenden Konzerts.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de