Himmelreich und Höllenberg lagen dicht nebeneinander: Gewonnen hat mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem Rheingauer Vorjahressieger aus Assmannshausen das Weingut Schumacher aus dem pfälzischen Herxheim am Berg mit einem Reserve-Wein aus der Lage Himmelreich.
Auf Platz zwei kam die Domäne Assmannshausen, mit einer 2004er Spätburgunder Spätlese trocken aus der Lage Höllenberg. Platz drei ging in die Pfalz, an das Weingut Oekonomierat Kleinmann in Birkweiler für den Signatur 2004.
Begonnen hat alles vor 15 Jahren: In der "Krone" in Assmannshausen riefen der Rüdesheimer Winzer Bernhard Breuer, Weinjournalist Mario Scheuermann und der damalige Hausherr der "Krone", der Rheingauer Hotelier HB Ullrich, einen nationalen Wettbewerb ins Leben, der zu einem der größten und wichtigsten rund um den roten Bruder des Rieslings werden sollte. Scheuermann: "Zu Beginn der 90er Jahre war deutscher Spätburgunder granatrot, ein Wein, der international kaum konkurrenzfähig war." Von 400 Weinen aus allen deutschen Anbaugebieten kamen hundert Weine des Jahrgangs 2004 ins Finale. Im Rheinsaal des Kronenschlösschens warteten die jeweils drei Erstplatzierten der elf Regionalwettbewerbe darauf, von der hochkarätig besetzten Jury entkorkt zu werden: Unter den Prüfern Walter Bibo, Betriebsleiter auf Schloss Reinhartshausen, Kai Schattner (lange Zeit Sommelier in der "Ente"), DLG-Prüfer Oswald Steiner aus Nackenheim - und Wettbewerbsgründer Mario Scheuermann. Der zog als Moderator das Fazit: Der Jahrgang 2004 steht keineswegs im Schatten seines sonnenverwöhnten Vorgängers. Auch wenn es 2003 heiß war, die 2004er "stehlen dem 2003er manches Mal durch ihre Eleganz die Schau". Tendenz: kräftiger, frischer, mehr Säure, viel Alkohol.
Natürlich, so Scheuermann, sind unter den gekürten Winzern die "üblichen Verdächtigen". Klar, dass rund ein Viertel der Weine allein aus Baden kamen, dem größten deutschen Rotwein-Anbaugebiet. So eroberte das badische Weingut Hanspeter Ziereisen, Efringen-Kirchen, Platz vier. Einen Rang danach wieder ein Rheingauer: ein 2004er Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder trocken aus dem Weingut August Kesseler in Assmannshausen. Das kommt nicht von ungefähr: Am besten gedeiht die Spätburgunderrebe in so genannten Rieslinglagen, also den bestmöglichen.
August Kesseler gehört zu den erfolgreichsten Teilnehmern in der Geschichte des Wettbewerbs. Ausgerechnet ein Rheingauer Winzer ist einer der profiliertesten Rotwein-Erzeuger überhaupt. Den Preis für den besten Spätburgunder errang er erstmals 1988. Im vergangenen Jahr belegte er Platz zwei. Seine Qualitäten haben Käufer und Liebhaber in den USA gefunden. So wird sein 2002er Höllenberg für 50 Dollar das Glas in Morrels Weinbar im New Yorker Rockefeller Center verkauft.
Scheuermann meint, jetzt sei ein "Stück Patriotismus" nötig - etwa so viel, wie die Franzosen ihn aufbringen. Sie haben es geschafft, dass ihr Bordeaux und ihr Burgunder hoch bewertet werden. Im Wettbewerb mit den Franzosen habe das deutsche Mittelfeld "unheimlich" aufgeholt: "Im Finale 2006 ist mehr Qualität vorhanden gewesen als 1991 im gesamten Wettbewerb." Es gab auch Überraschungen: So schaffte es das Weingut Erwin Riske mit Kellermeister Volker Riske aus Dernau an der Ahr, Regionalsieger zu werden. Er hat damit "berühmte Kollegen geschlagen", stellt Scheuermann fest. Solche, die vom Gault Millau Weinguide mit drei Trauben behängt oder auch schon mal als "Entdeckung des Jahres" gefeiert wurden.
In Siegerlaune öffnete Ralf Bengel, Leiter der Domäne Assmannshausen, einen Höllenberg Spätburgunder Cabinet aus dem Jahr 1953: Der edle Tropfen hat mehr als 50 Jahre überdauert. Für Scheuermann ein Spätburgunder, der gewusst hat, wo er seine Balance findet: "Manchmal schafft das ein Wein besser als der Winzer."
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