"Wie kommt es, dass wir über Abt Martin Rifflinck von Boppard so viel wissen? So viel, dass es möglich war, ihm eine ganze Ausstellung zu widmen?" fragt Professor Nigel Palmer bei seinem Festvortrag. Im Laiendormitorium wurde der Vortrag zur Ausstellungseröffnung von "Martin Rifflinck - ein Zisterzienserabt schreibt Klostergeschichte" von vielen interessierten Besuchern verfolgt. In der Ausstellung beantwortet sich die gestellte Frage schnell. "Ein zusammenhängendes Bild können wir nicht erwarten, und die Gewichtung dessen, was wir über ihn zu wissen meinen, ist in ganz entscheidendem Maße durch die Quellenlage bedingt", führt Palmer weiter aus. So erfahren die Besucher der Ausstellung mehr über die Einkünfte seines Klosters vom Weinhandel als über seine persönliche Frömmigkeit. "Aber das soll nicht bedeuten, dass diese ihm weniger wichtig war", merkt Palmer an. Martin Rifflinck stammt aus Boppard, wo die Familie seit dem 13. Jahrhundert als vermögende Bürgerfamilie nachweisbar ist. In seiner Handschrift lässt sich nachlesen, dass er bereits am 21. März 1479 nach Eberbach kam und in den Zisterzienserorden eintrat. Amtiert hat Abt Martin von 1498 bis zu seinem Tod am 4. Oktober 1506 nur acht Jahre. "Und aus dieser Zeit verfügen wir über eine ungewöhnlich große Anzahl an Quellen", erklärt Palmer. Die Besucher bewundern die vielen Schriftstücke, das Siegel, den Grabstein, Bücher mit Rifflincks handschriftlichen Eintragungen.
Im Kloster leben um 1498 102 Personen, 71 Mönche und 31 Laienbrüder. Das Kloster hatte Schulden in Höhe von 4740 Gulden. Der Klosterbesitz an Getreide, der sich in den Kornspeichern befindet, beläuft sich auf 4620 Malter Korn und Mehl, 107 Malter Weizen, 2140 Malter Hafer (ein Malter entspricht 90 Kilogramm). Das Vermögen an Wein belief sich auf 356 Fuder (ein Fuder entspricht rund 1000 Liter Wein).
"Besonderes Interesse zeigen die Besucher an der Kusstafel" sagt Brigitte Felber von der Museumsaufsicht. Die Kuss- oder Paxtafel ist für die Kulturgeschichte der Abtei von unermesslichem Wert und zugleich das persönlichste Denkmal des Abtes für sein Kloster. Während besonders feierlicher Gottesdienste im Kirchenjahr wurde beim liturgischen Akt des Friedensgrußes ("Pax tectum", übersetzt: "Der Friede sei mit dir") das verglaste Relief vom Priester ehrfurchtsvoll geküsst und an die anwesende Gemeinde weitergereicht, die ebenso handelte. "Für einen Kuss bekam man 40 Tage Ablass" verrät Felber und vermutet: "Dafür mussten die Bürger aber bestimmt zahlen."
Die Besucher studieren die vielen Tafeln, die erklärend zu den Exponaten aufgestellt wurden. "Alle Besucher sind mit Lesen beschäftigt, es wird nur wenig gefragt" fasst Felber das Ausstellungsleben zusammen. Viele verweilen auch vor der Skulptur Katharina von Alexandria. Diese ist als Schutzpatronin des berühmten Abtes bekannt und wird in vielen Schriften erwähnt. Die Skulptur wurde für die Dauer der Ausstellung von der Pfarrkirche St. Martin in Lorch zur Verfügung gestellt.
Die Ausstellung zum 500. Todesjahr von Abt Martin Rifflinck ist bis 3. Dezember im Kloster Eberbach zu sehen. Im Herbst erscheint eine Publikation mit dem Titel "Das Zisterzienserkloster Eberbach an der Zeitwende - Abt Martin Rifflinck zum 500. Todesjahr".
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