Bericht - Totenmesse


Die Gratulation als Pflichtübung? Zunächst hatte es den Anschein beim jüngsten Beitrag des Rheingau-Musikfestivals zum 250. Geburtstag von Mozart. Unentschlossen, ja zuweilen fast teilnahmslos dirigierte Philippe Herreweghe die kleine g-Moll-Sinfonie des Geehrten herunter. Weder schärfte er die Zacken des stürmischen Werks noch beschwor er den Zauber des bezwingenden Flusses der Töne. Da konnte das Orchestre des Champs-Elysées kaum mehr in die Waagschale werfen als kompakten Klang. All das ergab immer noch einen Mozart von Gewicht, gewiss, aber einen mit unscharfem Profil. Vielleicht war die Steigerung beabsichtigt, denn Mozarts Requiem weckte hernach um so mehr Begeisterung. Da war er wieder, der an der Alten Musik geschulte Entflechter von Linien, Herreweghe, der Durchleuchter komplexer Strukturen, der musikalische Prozesse mit den Händen erklärt und große Kunst erfahrbar macht. Sein Collegium Vocale Gent ist sicht- und hörbar verjüngt; derart wunderbar leise und zugleich spannungsvolle Töne waren lange nicht zu hören. Dazu ein folgsames Orchester und ein Solistenquartett, in dem Carolyn Sampson und Ingeborg Danz Akzente setzten – Mozarts Totenmesse hellte sich auf zum heiter stimmenden Geburtstags-Ständchen.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de