Bachs Passionen oder Mozarts Requiem im Juli und August? Beim Rheingau Musik Festival stehen solche Werke bisweilen zu einer für sie ungewöhnlichen Jahreszeit auf dem Programm; so konnte man beispielsweise vor einigen Wochen in Kloster Eberbach einer hochsommerlichen Aufführung von Bachs Matthäuspassion lauschen. Geschmackssache. Aber immerhin: Zeitlich genau richtig liegt das Festival stets mit seinen Aufführungen von geistlichen Kompositionen zum kirchlichen Feiertag Mariä Himmelfahrt, die seit einigen Jahren am 15. August in der Eberbacher Basilika stattfinden. Die Tradition wurde auch in diesem Sommer fortgesetzt, mit Claudio Monteverdis 1610 veröffentlichter "Vespro della Beata Vergine", die seinerzeit mit ihren affektgeladenen Elementen, ihren virtuos konzertierenden Passagen avantgardistisch gewirkt haben muss.
Für die Aufführung dieser "Marienvesper" hatte das Festival ein Ensemble eingeladen, das sich insbesondere um die Originalklang-Praxis der Musik zwischen Renaissance und frühem Barock verdient gemacht hat: Die "Musica Fiata Köln" musiziert seit ihrer Gründung vor dreißig Jahren auf historischen Instrumenten; entsprechend intonatorisch exakt und stilsicher gespielt wirkten hier selbst die verwendeten historischen Blasinstrumente. Dass sich Monteverdi auf historischem Instrumentarium aufführen lässt, konnte die "Musica Fiata Köln" unter dem Dirigenten Roland Wilson nachdrücklich unterstreichen.
Für die vokale Seite der Marienvesper waren in Kloster Eberbach zwölf Solistinnen und Solisten des Ensembles "La Capella Ducale" verantwortlich; sie arbeiten regelmäßig mit dem Orchester "Musica Fiata" zusammen - das garantierte hier die notwendig enge, ausgeglichene Verzahnung zwischen Instrumental- und Vokalstimmen etwa in den Psalm-Vertonungen oder dem finalen "Magnificat". Gerade die Tenor-Solisten der "Capella Ducale" sangen etwa in der Solo-Motette "Nigra sum" oder dem konzertierend angelegten Satz "Duo Seraphim" vorzüglich, mit durchweg sicher und schwerelos eingeflochtenen Verzierungen. Und ein wenig vom Raumklang-Charakter der Musik Monteverdis ließ Dirigent Wilson zur Geltung kommen, indem er tenorale Echo-Effekte außerhalb des Podiums singen ließ.
Das Publikum honorierte diese exzellente Aufführung der "Marienvesper" nach gut anderthalb pausenlosen Stunden mit großem Applaus.
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