Bericht - Marketing-Professor Hoffmann


Marketing Professor Hoffmann

In einem Jahr soll die neue Kellerei der Staatsweingüter am Steinberg in Betrieb gehen. Ein Rheingauer, der für den Bau gekämpft hat, ist der Marketing-Professor Dieter Hoffmann von der Fachhochschule Geisenheim. Hoffmann ist dafür auch immer wieder heftig kritisiert worden. Herr Professor Hoffmann, Sie gelten als Ideengeber für den Bau der unterirdischen Kellerei am Steinberg. Wie kam das, und stimmt das überhaupt? Hoffmann: Es ist richtig, ich war an dem Konzept von Anfang an beteiligt. Ich kenne Dieter Greiner aus seiner Zeit beim Deutschen Weininstitut, wo er für den Export nach England und in die USA verantwortlich war. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt: Was bedeuten die Staatsweingüter? Braucht man Staatsweingüter? Macht man den Betrieb zu, oder macht man es richtig? Was bedeutet das Kloster Eberbach für das Unternehmen und für die ganze Region? Wie präsentieren wir die Produkte besser? Also ging es nicht nur um die Kellerei, sondern um ein Gesamtpaket? Hoffmann: Ja, denn heute finden Sie kein großes Weingut, das seinen Besuchern nicht auch die Landschaft rundherum zeigen kann. Etwas anderes können nur Leute behaupten, die von der modernen Weinwelt keine Ahnung haben. Die Menschen wollen eine landschaftsintegrierte Gesamtkultur sehen, so wie es auf Schloss Johannisberg oder Schloss Vollrads auch existiert. Andererseits reichte die alte Kellerei für die Produkte, die man als Spitzenweingut auf den Markt bringen will, technisch nicht mehr aus. Das war gleich ein großer Schritt. Also ist die Idee, am Steinberg unterirdisch zu bauen, eine Marketing-Idee? Hoffmann:Marketing ist ein wichtiger Bestandteil moderner Betriebswirtschaft, insofern hat die Standortwahl auch Marketing-Aspekte. Aber der Standort hat auch technische und ökonomische Vorteile: Es ist eigenes Gelände, das Gebiet ist erschlossen, von der Produktion wird niemand gestört, die Infrastruktur ist da, die Wege zum Keltern sind relativ kurz. Zusätzlich hat man die Nähe zu Kloster Eberbach. Jeder private Winzer hätte es genauso gemacht. Wir wussten aber immer, dass in einem sensiblen Bereich gebaut werden soll. In einem Jahr sollen nun am Steinberg schon Trauben gekeltert werden. Hatten Sie damit nach den ganzen Diskussionen noch gerechnet? Hoffmann: Ich hatte den Gedanken aufgegeben, dass es schon im nächsten Jahr etwas werden könnte. Ich bewerte das Umdenken in Eltville als Gesinnungswandel, nicht als Umfallen, Gesinnungswandel bedeutet Zivilcourage. In ein paar Jahren werden wir völlig anders über die Kellerei diskutieren. Ich bedauere, dass das Ganze eine politische Frage geworden ist und schließlich auch politisch entschieden wurde. Ich hätte mir eine sachliche inhaltliche Diskussion gewünscht. Als Kritik an der Steinberg-Kellerei laut wurde, haben Sie unter anderem dem langjährigen Staatsweingüter-Direktor Hans Ambrosi Inkompetenz vorgeworfen. War das nicht auch starker Tobak? Hoffmann: Es hat mich damals sehr geärgert, wenn sich Leute öffentlich geäußert haben, ohne dass sie ausreichend Informationen über das Projekt hatten. Gerade von Dr. Ambrosi hätte ich Unterstützung erwartet. 1998 wurde die Stiftung Kloster Eberbach gegründet und Kloster und die Staatsweingüter wurden organisatorisch getrennt. Damals waren wir beide der Ansicht, Kloster Eberbach und die Staatsweingüter müssten weiter als Einheit gesehen werden. Gerade das macht das jetzige Konzept, und deshalb wundere ich mich, wenn er sich von seinen alten Visionen entfernt. Die Kellerei wird gebaut, aber liegt nicht die weitaus größere Aufgabe noch vor den Staatsweingütern, nämlich wieder das Flaggschiff des Rheingaus zu werden? Hoffmann: Wie definieren Sie Flaggschiff? Wenn außergewöhnliche Weine international Furore machen? Viele denken dabei allein an die Darstellung in den internationalen Medien. Aber ich warne vor immer mehr Wein-Tests: Die Ratings sind sehr zufällig, und Schumi gewinnt auch nicht immer. Übrigens haben die großen Weingüter hier an Anteilen verloren. Viele suchen die Identifikation mit einer Person und wollen einen Winzer Johannes Leitz, Stefan Ress oder Hans Lang kennenlernen, der dahinter steht. Und die Winzer bei den Staatsweingütern? Hoffmann: Die Mannschaft um Dieter Greiner, Ralf Bengel und Stefan Seyffardt kümmert sich sehr professionell um den Betrieb. Außerdem muss man Respekt davor haben, was diese Winzer in ihrem alten Keller gemacht haben. Eine Schwierigkeit der Staatsweingüter in der alten Organisationsform war früher immer: Wo ist eigentlich der Eigentümer? Wie wird der vertreten? Hat die Ministerialbürokratie, die dafür verantwortlich ist, einen Draht ins Kabinett? Der jetzige Ministerpräsident hat sich von den Ideen überzeugen lassen. Deshalb finde ich es ungerecht, wenn es heißt, Roland Koch gehe es um sein eigenes Prestige. Haben die Staatsweingüter eine wirtschaftlich sichere Zukunft? Hoffmann: Ich bin sehr sicher, dass das Gesamtkonzept wirtschaftlichen Erfolg hat. Das ist auch meine Messlatte an das Unternehmen: Es gibt keine Rechtfertigung für subventionierte Staatsweingüter!

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