Bericht - Maurice Steger in der Basilika


Die feuchte Kühle über dem Rheingau tat an diesem Abend nicht nur Bauern und Winzern gut. Auch wenn manche Konzertbesucher sich den Auftritt der Akademie für Alte Musik Berlin lieber, wie geplant, im Kreuzgang von Kloster Eberbach gewünscht hätten, der Ersatzspielort Basilika tat der Sache durchaus gut. Eigenartig, dass man das so einmal formulieren würde, aber: Die Überakustik der Basilika kam dem spezifischen Klang dieses Barockensembles absolut entgegen. Denn das wechselweise von den beiden Konzertmeistern Georg Kallweit und Stephan Mai angeführte Berliner Originalinstrumente-Orchester brilliert weniger durch scharfe Attacken und raue Klangoberflächen als durch einen geradezu intimen, sensiblen und bis ins klangliche Nichts zurückgenommenen Ton. Und der wäre im Kreuzgang jedenfalls weitgehend verpufft. So aber, unter dem akustischen Mikroskop der Basilika, war die enorme Tonschönheit regelrecht greifbar, mit der die Akademie für Alte Musik ihr Programm aus Händel, Telemann, Corelli und Vivaldi präsentierte. Vom Barockgeiger Stephan Mai kamen dabei die markantesten Impulse: Unvergleichlich jazzig etwa, durch besondere Betonung der synkopischen Nebenstimmen zum Swingen gebracht, ließ er den Kopfsatz von Vivaldis Streicherkonzert g-Moll musizieren, die Stimmwechsel präzise abgestuft, die metrische Irritation vollendet ausgekostet, die Bassstimmen konsequent non-legato geführt. Akrobatische BewegungenAuf dem gleichen Niveau an Spielwitz und Virtuosität bewegte sich der Solist im Berliner Ensemble, der Schweizer Blockflötist Maurice Steger. Der Largo-Kopfsatz in Vivaldis "La Notte"-Concerto war bei ihm reines Ornament, mit extrem spät aufgelösten Vorhaltsdissonanzen und Umspielungen umrundete er die notierten Töne wie ein Tänzer. Ähnlich akrobatisch bewegte er sich auch durch die a-Moll-Suite von Georg Philipp Telemann, die Steger zusammen mit der Akademie für Alte Musik vor einem halben Jahr auf CD vorgestellt hatte. Nichts beließ er im Konformen, Variieren und Verzieren bis hin zu Überblas-Effekten waren ihm oberstes Gebot. Und dieser Blockflötist weiß auch, wie man mit kleinen Gesten sein Publikum vom Vollblutmusikantentum überzeugt: Zum Schluss-Ritornell der Telemann-Suite wechselte er kurzerhand hinüber zum Pult der Tutti-Streicher, schaute Stephan Mai über die Schulter in seine Violinstimme und fügte sich wie spontan ein ins abstrichlos begeisternde Berliner Kollektiv.

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