Die traditionelle Mozart-Nacht im diesjährigen Programm des Rheingau Musik Festivals stellte vor allem Werke des jungen Opernkomponisten vor, firmierte unter der Ankündigung "Mozart - Das junge Operngenie". In der Tat setzt die Meisterschaft des an der Schwelle zum Jugendalter stehenden Komponisten noch heute in Erstaunen, einmal wegen der genialen Begabung, die hinter den Schemata der opera seria schon deutlich erkennbar ist, zum anderen lässt die kurze Zeit, die dem Knaben für die Fertigstellung der Partituren zur Verfügung stand, an ein Wunder denken. Die drei im Kreuzgang von Kloster Eberbach in Ausschnitten präsentierten Opern sind Ergebnisse der frühen Italienreisen von Vater und Sohn Mozart und wurden sämtlich im Abstand von zwei Jahren in Mailand uraufgeführt, "Mitridate" (KV74a) und "Ascanio in Alba" (KV111) mit großem Erfolg, während "Lucio Silla" (KV135) vom anspruchsvollen Mailänder Publikum mit einigem Vorbehalt aufgenommen wurde. Und gerade in diesem Werk macht sich Mozart von der überkommenen Formsprache der opera seria frei, Anklänge an der "Don Giovanni" sind deutlich erkennbar.
So in der Arie der Giunia "Dalla sponda", die von Sopranistin Caroline Melzer in weichem Stimmklang sehr verinnerlichte Kontur erhielt. In Arien und Ensembles aus diesen Frühwerken konnten sich neben Melzer auch Silke Schwarz (Sopran), Max Emanuel Cencic (Altus) und Andreas Weller (Tenor) als stil- und koloraturensichere Interpreten exzellent bewähren. Jed Wentz begleitete sie mit dem Orchester Musica ad Rhenum Amsterdam dezent und umsichtig, Herbert Feuerstein führte informativ und humorig durch das Programm.
Auch das Ende der dreistündigen Mozart-Nacht im Kreuzgang oblag Jed Wentz und seinem ausgezeichneten Orchester mit der straff, elanvoll und vital gestalteten Wiedergabe der ebenfalls während des Mailänder Aufenthalts entstandenen Sinfonie Nr.13 in F-Dur (KV 112). Zwischen den beiden Orchesterkonzerten hatten die Besucher die Qual der Wahl. Im Laiendormitorium spielten Luisa und Victor del Valle zwei Sonaten für Klavier, im Hospitalkeller musizierte das Heine Quartett zwei Streichquartette. Den Großteil der Besucher aber zog es in die Basilika, wo sich das ensemble acht mit der kantablen Nachzeichnung des Divertimentos Nr. 7 in D-Dur (2KV 205) mit einem fein ausgesponnenen Adagio und dem temperamentvollen "Musikalischen Spaß" (KV 522) vorstellte, hinreißend die plastisch servierte "Bravourkadenz" des Primgeigers.
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