Bericht - Deutschen Markt stärker im Auge


Für Günter Thies, den bisherigen Gutsdirektor des Hattenheimer VDP-Weinguts Schloss Schönborn, wird es keinen direkten Nachfolger geben. Paul Graf von Schönborn, Chef der Schönbornschen Unternehmungen, will sich künftig stärker um das Weingut kümmern. Nachdem Günter Thies, der bisherige Leiter der Hattenheimer Domäne Schloss Schönborn in diesen Tagen seine Zelte im Rheingau abgebrochen und sich auf den Weg in die neue Weinwelt nach Neuseeland gemacht hat, wird kein neuer Betriebsleiter mehr eingestellt, sagt Graf von Schönborn. Der Eigentümer will selbst einmal pro Woche von der Hauptverwaltung im fränkischen Stammschloss Wiesentheid nach Hattenheim kommen. Dass ein Mann wie Thies, der den Betrieb zwölf Jahre führte und nun die anspruchsvolle Aufgabe übernommen hat, für einen deutschen Investor in Neuseeland ein neues Weingut aufzubauen, nicht so einfach zu ersetzen ist, weiß Graf von Schönborn sehr wohl. Aber mit dem Kellermeister Peter Barth - "der hat Riesling im Blut" - und dem für die Weinbergsbewirtschaftung zuständigen Arnulf Kremer - "der riecht die Pilzkrankheiten, bevor sie kommen" - habe er zwei bewährte Kräfte, die den Betrieb bestens kennen. Dennoch sei nun eine Verstärkung notwendig geworden. "Zwei zusätzliche Verkaufsleute" sollen im Absatz für In- und Ausland tätig sein. Der Graf, der sich um die Verwaltung aller land- und forstwirtschaftlichen Schönbornschen Unternehmungen kümmert, will sich selbst verstärkt in den Verkauf einbringen. Der gelernte Bankkaufmann, der in den USA studiert hat und nach eigenen Angaben mit sechs Sprachen aufgewachsen ist, wird im September in Japan und im Oktober in den USA unterwegs sein, um Wein zu verkaufen. Zum Familienbesitz gehören auch das Weingut Schloss Halburg im fränkischen Volkach und ein Weingut in Portugal. "Das Grundgerüst ist der Export", sagt Graf von Schönborn. 80 Prozent des Umsatzes werden gegenwärtig noch im Ausland erzielt. Schwerpunkte seien USA, Japan und Kanada. Der europäische Markt wachse aber. Das Hattenheimer Domänenweingut will sich künftig wieder stärker dem Inland widmen und die Hälfte seiner Weine in Deutschland vermarkten. Für diesen Markt sei ein Berater der Forschungsanstalt Geisenheim engagiert worden. Mit modernen Etiketten und Flaschen, künftig sollen auch Bordeaux-Flaschen verwendet werden, feilt der Betrieb an einem neuen Image. Das VDP-Weingut will seine Rebflächen zudem wieder von 35 auf 50 Hektar erweitern. Die Wurzeln der Familie von Schönborn gehen im Rheingau bis ins Jahr 1349 zurück. Aus dieser Zeit sind bereits Weinberge in Winkel erfasst. Johann Philipp Erzbischof und Kurfürst von Mainz (1605-1673) war der erste in einer langen Reihe von Bischöfen. Die Familie besitzt im Rheingau das Schloss Schönborn in Geisenheim, das seit einigen Jahren für Veranstaltungen genutzt werden kann. Außerdem die Georgsklause unterhalb von Schloss Johannisberg, nach der die Weinlage Johannisberger Klaus benannt ist. Viele Rheingauer befürchten, dass das seit Jahren leer stehende Wirtschaftsgebäude des früheren Benediktinerinnenklosters verfällt. Das Dach sei gesichert, sagt Graf von Schönborn. Seit langem sei immer wieder über eine Nutzung verhandelt worden, aber bisher habe es noch keine Lösung gegeben. "Verkaufen möchte ich nicht, weil es zu sehr an die Familiengeschichte gebunden ist." Nach wie vor sei ein gastronomisches Konzept für die Georgsklause vorgesehen. Aber der Betrieb des Weinguts in Hattenheim habe zunächst Vorrang. Erst wenn dieses "auf neuen festen Beinen" stehe, könne man sich auf die "Klaus" konzentrieren.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de