Die katholische Pfarrgemeinde Hattenheim würdigt am Sonntag, 23. Juli, den aus einer alteingesessenen Hattenheimer Bürgerfamilie stammenden Weihbischof Johann Valentin Heimes, der genau vor 200 Jahren starb. In der Pfarrkirche St. Vincentius beginnt um 16 Uhr ein Festakt, der an eine "der ganz großen historischen Persönlichkeiten des Rheingaus sowie der Endzeit des geistlich-politischen Kurfürstentums Mainz" erinnere, teilt die Kirchengemeinde mit. Dazu spricht Professor Friedhelm Jürgensmeier, Leiter des Instituts für Mainzer Kirchengeschichte. Um 18 Uhr schließt sich ein Pontifikalamt an, zelebriert von einem Nachfolger des Valentin Heimes, dem Mainzer Weihbischof Werner Guballa. Dabei werden sakrale Gegenstände - kostbare Kelche und Gewänder - wieder Verwendung finden, die der bedeutende Sohn Hattenheims seiner Heimatkirche vererbt hat. Der Gottesdienst wird musikalisch gestaltet von Michael Wagner an der Orgel und der Schola der Gemeinde.
Die Eltern des am 11. März 1741 in Hattenheim geborenen Valentin besaßen ein mittleres Weingut und konnten ihren Sohn "Parre lerne lasse", wie Hedwig Witte in ihrem Buch "Berühmte Rheingauer" ausführt. In Mainz besuchte der junge Hattenheimer das Priesterseminar. Sein Weg führte dann steil nach oben. Der Erzbischof und Kurfürst Carl-Friedrich von Erthal machte ihn zum Weihbischof von Worms und im Alter von 35 Jahren zum Weihbischof von Mainz. Heimes sei bald die rechte Hand des Kurfürsten gewesen. Für Aufsehen sorgte seine Forderung, den Zölibat abzuschaffen. Als einflussreicher Vertrauter seines Kurfürsten stand die Amtszeit des Weihbischofs im Spannungsfeld zwischen Reichs- und Kirchenpolitik einerseits, andererseits zwischen hochbrisanten Projekten gegen den Zentralismus der Römischen Kirche und bahnbrechenden Reformen in der Seelsorge, der Liturgie sowie dem Bildungswesen, heißt es in der Mitteilung der Pfarrgemeinde. Seine letzten Lebensjahre habe der durch die französischen Revolutionsheere aus Mainz vertriebene Weihbischof in seinem stattlichen Haus in Hattenheim verbracht. Von hier aus verwaltete er den verbliebenen rechtsrheinischen Teil des untergehenden alten Erzbistums Mainz.
Die Grablege des Weihbischofs befindet sich an der nördlichen Schiffswand im Innern der Hattenheimer Kirche. Das von seinen Geschwistern gestiftete Grabdenkmal schildere in lateinischer Sprache die geistliche Laufbahn eines hochdekorierten Prälaten, der es verstanden habe, die Machtstellung des Mainzer Erzstuhls gegen Papst und Kaiser zu verteidigen, so die Mitteilung der Pfarrgemeinde.
In Hedwig Wittes Buch wird Heimes als "Hüne von Gestalt" und als Mensch mit ungeheurer Schaffenskraft beschrieben. Zur Askese soll er "nur ein sehr dürftiges Verhältnis" gehabt haben, dem Rheingauer Wein sei er mit Leib und Seele zugetan gewesen. In seiner Wein- und Fastenpredigt, die auch in Goethes Schilderung vom "Rochusfest" 1814 Erwähnung findet, hat er sich selbst "acht Maß" zugestanden, weil er dann immer noch geistliche Geschäfte und Pflichten wahrnehmen könne.
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