Bericht - Golfbälle fliegen


Ginge es nach Hermann Weiland, könnten auf dem Ebental nah bei Rüdesheim bald die Golfbälle fliegen. In spätestens drei Jahren soll nach den Vorstellungen des Mannheimer Investors eine Golfanlage für sechs bis 7,5 Millionen Euro fertiggestellt sein. Der 57-Jährige ist zum Abschlag bereit. Ein wirtschaftliches Gutachten für 10000 Euro bescheinigte dem Mannheimer, dass die Errichtung einer Golfanlage, die bei der morgigen Versammlung der Stadtverordneten aufs Tapet kommt, auf dem Areal nah des Hildegardis-Klosters ein lukratives Geschäft darstellen könnte. Vor allem, so Stadtverordnetenvorsteher Michael Barth (Wählerinitiative), könnte das Spiel mit dem kleinen weißen Ball den Tourismus in Rüdesheim ankurbeln. "Kein Schickimicki, nichts Elitäres", kündigt Hermann Weiland (zu ihm stellte der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Mosler den ersten Kontakt her) für das Naherholungsgebiet Ebental an. Der Mannheimer, dessen GmbH Golfanlagen Weiland nach eigenen Angaben zu den größten Betreibern von Golfplätzen in Deutschland zählt, plant in Rüdesheim einen weiteren Ableger seines Golfplatz-Verbundes zu bauen. Nach dem Motto "Pay one play more" setzte Weiland im Jahr 2005 das Rotationsgolf-Konzept um, welches er entwickelte und sich durch eine Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt in München schützen ließ. Die Mitgliedschaft in einem von Weilang kontrollierten Club bedeutet Spielrecht auf allen von der Firma betriebenen Anlagen, auf denen beliebig abwechselnd, ohne Greenfee, also Spielgebühr, zu zahlen, abgeschlagen werden kann. Die nach Angaben des Mannheimers "europaweit einmaligen" Golfanlagen Weiland verstehen sich als Alternative zur traditionellen Mitgliedschaft in einem Golfclub. Jene Clubs sind bekanntlich auf Lebenszeit angedacht, verlangen neben dem Jahresmitgliedbeitrag häufig eine einmalige Aufnahmegebühr von mehreren tausend Euro und räumen nur auf der clubeigenen Anlage Spielrecht ein. Auf dem Ebental, das als Golfplatz-Standort bereits seit Anfang der 90er Jahre in der Diskussion ist, könne sich nach den Vorstellungen des Investors die Anlage auf rund 80 Hektar erstrecken, wovon 35 Hektar reine Spielfläche wären. Bestehende Naturschutzflächen bleiben erhalten. Ein Teil des Golfanlagen-Areals soll, allein um die Akzeptanz in der Rüdesheimer Bevölkerung zu erhöhen, in einen für jedermann zugänglichen Park ohne Zäune gestaltet werden. Von Vorteil seien natürlich die Höhenlage auf rund 300 Metern mit dem reizvollen Rheinblick, so Hermann Weiland. Der Mannheimer räumt zugleich ein, dass mit dem Ebental als Standort die "Schmerzgrenze" erreicht ist. "Fünf Kilometer weiter oder nach Lorch würden nicht gehen." Wesentlich attraktiver (auch als das Ebental) hält der Golfplatz-Betreiber wiederum den Standort am Kloster Eberbach, der jedoch weitgehend vom Tisch ist. Doch wieviel Golfplätze verträgt eigentlich das Rhein-Main-Gebiet, wo allein von Eltville rund (allerdings meist nicht für Anfänger zugelassene) 18 Clubs weniger als 60 Kilometer entfernt liegen und innerhalb von 15 bis maximal 60 Minuten erreichbar sind? Für Hermann Weiland stellt sich scheinbar eine solche Frage gar nicht. Der Betreiber verweist auf sein "einmaliges" Rotationsprinzip und auf den "Erfahrungswert", dass eine Anlage "innerhalb von 30 Minuten erreichbar sein muss". Weiland, der sich eine Golf-Filialisierung a la Aldi vorstellt, spricht deutschlandweit von einem künftigen Bedarf von 200 bis 300 Plätzen. Gar keine Kopfschmerzen bereitet dem 57-Jährigen die folgende hypothetische Frage: Was passiert mit den Anlagen, wenn in Zeiten des schnellen Wandels Golf nicht mehr so trendy ist? So schnell kehrt eine Trendwende nicht ein, ist der Betreiber überzeugt. Ohnehin werde der Anteil der älteren Bevölkerung immer größer. Auch sei Golf die ideale Freizeitbeschäftigung für die Generation 50 plus und der Begriff der `Grau-Golfer` inzwischen ein geflügelter. 25 bis 30 Arbeitsplätze, einschließlich der Gastronomie, könnten mit der künftigen Anlage auf dem Ebental geschaffen werden. Die Anlage selbst errichtet die Weiland GmbH, die ursprünglich aus dem Bereich der Landschaftsarchitektur stammt. Mit dem Bau des Clubhauses könnten wiederum, so Weiland, heimische Firmen beauftragt werden.

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