Bericht - Effektvollen Kontrasten


Wer geglaubt hatte, er müsse sich angesichts des Fußball-Halbfinales Mendelssohns "Elias" in einer halb leeren Basilika anhören, wurde in Kloster Eberbach eines Besseren belehrt. Auch Festival-Chef Michael Hermann hatte keinen Moment lang gezweifelt, dass seine Gäste das Oratorium dem Ball vorziehen würden. Im übrigen hatten die Kultursinnigen dieses Tages ja ohnehin nichts verpasst - zur entscheidenden Verlängerung waren sie schon längst wieder zuhause. Bereits zu Zeiten seiner Uraufführung vor genau 160 Jahren in Birmingham begeisterte das Werk die Massen. Kaum ein Wunder, schließlich bietet der "Elias" neben der religiösen Botschaft ein Höchstmaß an dramatischen Momenten, die etwa den Regisseur Jens-Daniel Herzog dazu brachten, das Stück kürzlich am Mainzer Theater in einer szenischen Fassung aufführen zu lassen. Davon war man beim Rheingau Musik Festival natürlich weit entfernt. Dennoch ist den Akteuren eine ausgesprochen vitale Interpretation zu verdanken. Auch wenn das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg zu Beginn einen eher desorientierten Eindruck hinterließ, in der Ouvertüre kraftlos wirkte und beachtliche Unklarheiten im Tempo aufwies. Kurz darauf stellte sich das Ensemble jedoch immer mehr als ein zuverlässiger und anregend musizierender Begleiter heraus, dem es gelang, Chor und Solisten angemessen zu tragen. Rolf Beck leitete eine Aufführung, die sich mit Sorgfalt um die effektvollen Gegensätze in der Partitur kümmerte, ohne dabei über das erwartbare Maß hinaus plakativ zu werden. Vor allem der Chor der Bamberger Symphoniker bot dabei ein Idealbild an üppig-romantischen Klangvorstellungen. Weit geöffnete Räume füllte er komplett aus, konnte aber mit effektvollen dynamischen Reduktionen ebenso überzeugen. Aufregend erklang der Chor "Baal, erhöre uns", später steigerten sich die Sänger konsequent vom empörten Raunen und empörten Grummeln ("Wir haben es gehört!") bis zum zornigen "Er muss sterben!". Unter den Solisten lieferte die junge Sopranistin Katharina Leyhe, die selbst aus dem Bamberger Chor hervorgegangen ist, ein brillantes Festival-Debüt ab. Sie steht kurz vor ihrem Konzertexamen und wurde bereits 2005 an die Kölner Oper verpflichtet. Im Rheingau gewann sie die Zuhörer mit einem interessanten Timbre und dramatisch verdichteter Interpretation. Zugleich ist ihre Stimme derart flexibel, dass auch so schlichte Momente wie die Engels-Worte "Verhülle dein Antlitz, denn es naht der Herr" einen unwiderstehlichen Reiz ausüben. Annette Markert gestaltete die Alt-Partie klar und direkt, Michael Nagy (Bass) nutzte sein kerniges Timbre für kraftvolle Einsätze. Carsten Süß, der bereits vor zwei Jahren in Haydns Schöpfung als Ersatz für Patrick Henckens einen bleibenden Eindruck in Kloster Eberbach hinterlassen hatte und dem Publikum aus Partien am Wiesbadener Theater bekannt ist (unter anderem als "Petrus" in der szenischen Fassung von Bachs "Johannespassion") komplettierte das Solisten-Ensemble mit angenehm kultivierter großer Stimme.

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