Mit der Gestaltung würde eine schier unendliche Geschichte zu Ende gehen, die bei den Hattenheimern für viel Ärger sorgte. Bereits vor zehn Jahren hatte die Bahn AG die Fläche zwischen dem Hattenheimer Campingplatz und dem Erbacher Klärwerk gekauft, um sie als Ausgleichsfläche für die Eingriffe in die Natur durch den Bau der ICE-Strecke Köln-Frankfurt zu gestalten. In unmittelbarer Nähe der ICE-Trasse waren nicht genug Flächen aufzutreiben.
Die Grünaue war früher eine Strominsel, die durch einen schmalen Schlutenarm, den Althahn, vom Ufer getrennt war. Damals wurde sie mehr als 100 Tage im Jahr überflutet. Nach der Rheinregulierung verlor sie die Funktion als Retentionsraum. Durch Auffüllungen, den Kläranlagenbau, den Bau der B 42 und Wohnbau wurde das Gelände völlig verändert. Die Bahn plante ursprünglich, die natürliche Pflanzenwelt der Aue sich ungehindert entwickeln zu lassen. Die vorhandenen Wein- und Obstanbauflächen sollten gerodet werden, die Wege verschwinden. Dagegen rührte sich Protest. Der Ortsbeirat legt Wert darauf, dass die Grünaue Naherholungsgebiet bleibt. Die Winzer kritisierten, dass die Bahn die Fläche verkommen lasse. Die Aue entwickele sich zum Tummelplatz für Wildschweine und Rehe.
Mittlerweile sind die Weinberge größtenteils gerodet, Reste soll eine Fachfirma beseitigen, sagt Nabu-Geschäftsführer Hubert Mai. Drei Jahre lang habe es gedauert, bis die Vereinbarung zwischen Nabu und Bahn AG stand. Mit dem Verkauf habe sich die Bahn keineswegs ihrer gesetzlichen Verpflichtung entledigt, um diese dem ehrenamtlichen Naturschutz aufzubürden, betont Mai. Zwar habe der Nabu einen Kaufpreis in der Größenordnung von 50 bis 80 000 Euro an die Bahn AG gezahlt. Die gleiche Summe floss dem Naturschutzbund aber im Rahmen des Ökosponsorings von der Bahn AG wieder zu. Auch die Gestaltung zahlt die Bahn AG im vollen Umfang, rund 50 000 Euro werden investiert. Der Nabu betreut in ganz Hessen im übrigen rund 2 000 Hektar Ausgleichsflächen.
Wie im Planfeststellungsbeschluss festgelegt, so Mai, solle sich der typische Hartholzeichen-Auenwald auf der Grünaue entwickeln. Einige Eichenschösslinge seien bereits 70 Zentimeter hoch. Im Herbst soll durch Pflanzen von Eichen, Ulmen und Ahornbäumen etwas nachgeholfen werden. Vom Campingplatz aus wird ein Rundwanderweg entstehen, zwei Informationstafeln am Leinpfad sollen über den Auenwald informieren.
Am gesamten Rhein gebe es nur noch zu fünf Prozent Auenwälder, der südhessische Kühkopf sei ein letztes großes Relikt, sagt Mai. Der Entwicklung des Auenwaldes sei deshalb hohe Bedeutung zuzumessen. 43 Brutvogelarten, etwa Nachtigall, Pirol und Schwarzmilan, seien auf der Grünaue zu finden, darunter Arten, die es nur im Auenwald gebe. Geplant ist eine wissenschaftliche Begleitung. Dabei wird der Bestand erfasst und die Entwicklung beobachtet.
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