Kloster Eberbach? Eigentlich eher unser Ziel im Sommer, wenn das Rheingau Musik Festival seine schönen Konzerte veranstaltet. Aber abgesehen davon, dass es natürlich auch in den anderen Monaten ein vielfältiges und sehr interessantes Veranstaltungsprogramm dort gibt, kann man hier wunderschön wandern, und das Ganze noch mit einer angenehmen Abschlussrast in der Klosterschänke verbinden.
Also nehmen wir uns vor, einen Sonntagnachmittag im Herzen des Rheingaus zu verbringen und stellen das Auto auf dem Klosterparkplatz ab. Zunächst laufen wir von dort aus ein Stück die Straße Richtung Hattenheim abwärts, genießen schon mal den Ausblick auf den Rheingau, der sich uns linker Hand bietet, und biegen dann am berüchtigten "Steinberg" nach rechts ein.
Das Wanderzeichen "roter Punkt" begleitet uns von nun an aufwärts. Der Weinberg ist von einer steinernen Mauer umgeben, eine Besonderheit im Weinbau. Bereits im ersten Drittel des 13 Jahrhunderts wurde der Steinberg zur geschlossenen und umfriedeten Lage gestaltet und durch die Umfassungsmauer vor dem Einsickern von Kaltluft geschützt. Die Mauer ist noch eine Weile links neben dem Weg zu sehen, der uns weiter den Hang aufwärts durch den Wald führt. Immer dem "roten Punkt" nach, auch an der nächsten Gabelung, an der wir den linken Weg einschlagen.
Es geht vorbei an dem Schießplatz eines Schützenvereins, an dem eine Tafel vor Gefahren warnt. Doch heute knallt hier nichts. Bald bieten sich links neue, stimmungsvolle Ausblicke auf Oestrich und das andere Rheinufer, weit kann man ins Land hinausblicken. Der Weg wird hier auch kurz zum Teil des Rheinsteiges, gekennzeichnet durch das charakteristische weiß-blaue R. Eine Familie tollt auf der Wiese neben dem Wanderweg mit zwei "Golden Retrievern" herum, die Hunde freuen sich sichtlich über den schönen Tag.
An Wanderzeichen herrscht hier übrigens kein Mangel, nun kommt auch noch ein grünes Eichblatt hinzu und der "Rheingauer-Riesling-Römer". Ein Baumstumpf am Wegesrand ist von vielen Spechthöhlen durchsetzt, irgendwo hören wir einen flinken Schnabel auch gerade wieder hämmern. Der Weg führt uns nun aus dem Wald heraus. Wer Lust hat, kann noch ein paar Meter nach links gehen, um die Aussicht auf den Rhein noch einmal ganz unverstellt zu genießen. Dies ist die Lage "Mehrhölzchen", ehemalige Weinberge, die etwa 1990 aufgeforstet werden sollten. Dies verhinderten Naturschützer, um der Äskulapnatter, die dort vorkommt, ihren Lebensraum zu lassen. Ei-Ablagehaufen aus Holz und Reisig haben sie dort an verschiedenen Stellen aufgeschichtet, und manchmal kann man auch eine Schlange sehen, vor der man sich aber nicht zu fürchten braucht.
Zurück auf der Wegstrecke, liegt weit vor uns, gerade eben auf dem Gipfelkamm sichtbar, das Türmchen der Hallgarter Zange, und links fällt der Blick auf die Häuser der Siedlung Rebhang, die zu Hallgarten gehören. Weiter geht´s, immer bergan, mit etwas unterschiedlicher Weg-Qualität. Mal asphaltiert, mal aber auch von tiefen Furchen durchzogen - gutes Schuhwerk ist hier ein Muss. Frisches Buchen-Grün begleitet uns am Wegesrand, und die gute Luft lässt uns so richtig durchatmen.
Wir erreichen nach einigen hundert Metern den "Unkenbaum" - beziehungsweise dessen traurige Reste. Es scheint einmal eine wirklich schöne, große Eiche gewesen zu sein, so lässt der Stumpf des ehemaligen Naturdenkmals zumindest noch vermuten.
Jetzt gibt es dort wenigstens eine nette Sitzgruppe, aufgestellt von der "Wandergruppe Qualmende Socke", wie ein Schild verkündet. Und an dieser Stelle verlassen wir auch wieder den Rheinsteig - fünf Wege führen hier sternförmig ab. Geradeaus würde es weiter hoch zur Hallgarter Zange gehen, wir nehmen den Weg halbrechts daneben, der nun kein Wanderzeichen mehr Wander-Tipp
trägt. So viele davon begleiteten uns den Berg hoch, jetzt auf einmal gar nichts mehr!
Ein Blick auf die Wanderkarte zeigt uns den Weg Richtung Kisselbachtal. Es geht hier nun ein ganzes Stück weiter durch lichten Mischwald. Die Sonne blitzt durch die Bäume, jetzt geht der schöne Waldweg ein ganzes Stück einfach nur geradeaus, und wir können den Duft, die Geräusche und die Atmosphäre des Waldes pur genießen. Auch Kleinigkeiten wie den bemoosten Holzstapel am Wegesrand, der wohl vor vielen Jahren mal abgeholt werden sollte und dann vergessen wurde. Er hat einfach neue Triebe hervorgebracht und wird so wieder zum Teil der Natur.
Unser Weg macht nach etwa zwei Kilometern eine Spitzkehre, und wir überqueren den Kisselbach, dem wir dann zurück Richtung Kloster folgen. Weg und Bach mäandern gemächlich talwärts, bis die Gebäude der "Kisselmühlen" rechts unterhalb des Weges in Sicht kommen. Hier gibt es etwas ganz Besonderes: Die Besitzer züchten Lamas! Sie verkaufen in ihrem Hofladen viele Produkte aus Lama- und Alpakawolle und bieten verschiedene Führungen und Wanderungen für Kinder und Erwachsene an. Einige Tiere sind auch auf den Weiden vom Weg aus zu sehen, ein durchaus unerwarteter Anblick mitten im Rheingau, aber offensichtlich fühlen sie sich hier wohl.
Nun geht es am rechten Bach-Ufer, begleitet vom munteren Gurgeln des Wassers, abwärts. Nach kurzer Zeit tauchen die ersten zum Kloster Eberbach gehörenden Gebäude linker Hand auf. Und rechts oberhalb des Weges steht das kleine grüne Wasserwerk des Klosters, "erbaut 1913" wie man lesen kann. Der Bach heißt nun übrigens nicht mehr Kisselbach, sondern ebenfalls Eberbach. Wir biegen links in den Wanderweg mit dem Zeichen "brauner Hase" ein und laufen schnurstracks auf die Klostermauer zu. Durch ein Holztor betreten wir den Klostergarten und sind wieder bei unserem Auto angelangt. Klosterbesichtigung oder Einkehr? Am besten beides...
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de