Bericht - Faszinierendes Spiel mit Kontrasten


Es ist nicht nur der Hattenheimer Erstbeitrag zum Rhein-Main übergreifenden Licht-Kultur-Spektakel Luminale, das mit rasant wachsender Resonanz bereits im dritten Jahr stattfindet, sondern auch leuchtender Vorbote der für den Spätsommer geplanten offiziellen Eröffnung des Kunstkellers von Elvira und Peter Winter im Weingut "Georg-Müller-Stiftung". Schattengestalten vom Schlag eines Grafen Dracula oder Dr. Frankenstein sind bekannt dafür, klassische Keller zu schätzen. Je finsterer und höhlenartiger sie ihre unterirdischen Reiche antreffen, desto wohliger wird ihnen dabei ums Herz. Den meisten Menschen dürfte es hingegen so gehen wie Ulli Böhmelmann, die frank und frei ausspricht, dass sie sich an diesen Orten nicht besonders wohl fühlt. Aber die 1970 in Mainz geborene, jetzt in Köln lebende Künstlerin, wäre in der zeitgenössischen Kunstszene wohl nicht so erfolgreich ohne das prägende Leitmotiv ihrer Arbeit, die von ihr erspürte und gedeutete Atmosphäre eines Raumes ästhetisch zu präzisieren und neu zu gestalten. Den Betrachter mag es verwundern, wenn Böhmelmann den wenig einladenden Raumcharakter des Tonnengewölbes unter dem Weingut zunächst noch betont: Etwa 30 stalaktitenähnliche, kühl-blau ausgeleuchtete Stachel aus Silikon, die sie "Piks" nennt, lassen streng symmetrisch angeordnet, im Vordergrund ein magisches, aber zugleich abweisendes Fluidum entstehen. Dagegen wecken die aus großporigem Filterschaum angefertigten, Schneckenhäuser ähnlichen "Plasmen" mit ihrem warmen Licht in der Raumtiefe Assoziationen zum Tageslicht und zu organischer Lebendigkeit. Böhmelmann betreibt in ihrer Installation überhaupt ein faszinierendes Spiel mit Kontrasten, das den Besucher immer wieder verführt, nach neuen Aspekten zwischen den Polen ihrer Parallelwelt zu forschen. "Ich habe selten eine Künstlerin mit einer vergleichbaren Entwicklung erlebt", begründet die Wiesbadener Galeristin Elvira Mann-Winter ihre Entscheidung, "Subsphären" im Kunstkeller im Weingut "Georg-Müller-Stiftung" über die Luminale-Woche hinaus dauerhaft zu präsentieren. Dass Ulli Böhmelmann trotz ihrer jungen Jahre bereits über einen ausgezeichneten Ruf als Objekt-Künstlerin verfügt, wird spätestens deutlich seit dem Erfolg ihrer ersten, allerdings um einiges größer dimensionierten, "Subsphären"-Präsentation 2002 im Münchener Maximiliansforum. Parallel werden ab Sonntag im Kunstkeller Nina Stöltings abstrakte Weinbilder zu sehen sein und gemäß Elvira und Peter Winters Maxime, künftig Kunst und Wein in einen fruchtbaren Dialog miteinander treten zu lassen, wird auch ein guter Hattenheimer Tropfen ausgeschenkt. Die Lichtinstallation "Subsphären" der Künstlerin Ulli Böhmelmann ist vom 23. bis 27. April zu sehen, am Sonntag von 12 bis 17 Uhr, von Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 sowie 14 bis 17 Uhr. Im 250 Jahre alten Keller des Weingutes "Georg-Müller-Stiftung", Eberbacher Straße 7, werden außerdem Arbeiten von Kazuo Katase, Juan Martinez, Nina Stölting, Armin Baumgarten, Livia Kubach und Michae Kroppe präsentiert.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de