Die größte Stadt im Rheingau wird weiter von einem Christdemokraten geführt: Der 41-jährige Patrick Kunkel hat die Stichwahl mit 54 Prozent vor seiner SPD-Konkurrentin Wendy Penk gewonnen, die auf 46 Prozent der Wählerstimmen kam. Penk konnte gegenüber dem ersten Wahlgang den Abstand zum CDU-Kandidaten deutlich verringern. Die beiden Bewerber trennten zum Schluss 457 Stimmen. Im September tritt der Martinsthaler Kunkel, der auch außerhalb des Rheingaus als Autor und einer der Erfinder des Comic-Helden "Karl" bekannt geworden ist, die Nachfolge des amtierenden Bürgermeisters Bernhard Hoffmann (CDU) an.
Die Auszählung der Stimmen glich dem reinsten Wahl-Krimi. Gleich das erste Wahllokal, die Schlittschule, schloss seine Auszählung um 18.16 Uhr mit fast 53 Prozent für Penk ab. Auch die beiden nächsten Bezirke gingen an Penk, so dass die Anspannung in den Gesichtern der CDU-Mitglieder immer deutlicher abzulesen war. Klaus-Peter Willsch, Bundestagsabgeordneter und CDU-Vorsitzender im Rheingau-Taunus-Kreis, knabberte hektisch Salzbrezeln, der Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper entfuhr ein "Ach Gott". Erst bei den Briefwahlergebnissen kippte das Verhältnis, hier war Kunkel klarer Spitzenreiter. Doch selbst als die Hälfte der Wahlbezirke ausgezählt waren, lagen die Kandidaten noch nah beieinander. Manches CDU-Mitglied zitterte noch, als nur noch die Penk-Hochburg Hattenheim und Rauenthal ausstanden. Doch dann stand Kunkels Sieg fest.
Als dann Patrick Kunkel zusammen mit seiner Ehefrau Eva-Maria unter dem Beifall seiner Anhänger das Wahlzentrum in der Eltviller Mediathek betrat, war er sichtlich bewegt. Er hatte mit einem knappen Ergebnis gerechnet und war deshalb erleichtert: "Ich habe den Sieg erhofft, die Höhe war mir egal." Kunkel erinnerte an den Gegenwind, der ihm nicht zu knapp entgegengeweht war. "Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass es so ausgeht", meinte er. Schließlich musste Kunkel im ersten Wahlgang auch gegen einen ehemaligen Parteifreund, den langjährigen Stadtrat Heinz Frankenbach, antreten. Die Rechnung Wendy Penks sei aber nicht aufgegangen, meinte Kunkel.
Die SPD-Kandidatin hatte gehofft, die Stimmen Frankenbachs alle für sich gewinnen zu können. Dass sie ihr Ergebnis um 14 Prozentpunkte gegenüber dem ersten Wahlgang steigern konnte, deutet darauf hin, dass dies zum Teil gelungen ist. Kunkel gewann 7,3 Prozentpunkte hinzu. Die Wahlbeteiligung lag unter der des ersten Wahlgangs, möglicherweise blieb ein Teil der Frankenbach-Wähler zu Hause.
Übel aufgestoßen ist der CDU ein SPD-Flugblatt, das wohl noch am Wahlsonntag verteilt worden war und auf den angeblichen Wankelmut Kunkels bei der Steinberg-Kellerei und anderen Eltviller Reizthemen abhob. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Peter Seyffardt sprach verärgert von einem "Diffamierungswahlkampf". Wendy Penk meinte dazu: "Wenn man hinten liegt, kann man keinen Kuschel-Wahlkampf führen, da muss man offensiv werden." Die SPD-Vorsitzende bot Patrick Kunkel für die Zukunft eine konstruktive Zusammenarbeit an. Jetzt stehen Gespräche darüber an, wie es im Stadtparlament weitergehen soll, nachdem die CDU/FDP-Koalition ihre Mehrheit verloren hat.
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