Nur kurz ballte er seine Faust, lang küßte er seine Frau Eva-Maria, danach nahm ein strahlender und sichtlich erleichterter Patrick Kunkel (CDU) in der Eltviller Mediathek die Glückwünsche seiner Gegenkandidatin Wendy Penk (SPD) entgegen. Der 41 Jahre alte Sieger der Eltviller Stichwahl tritt im September die Nachfolge von Bürgermeister Bernhard Hoffmann (CDU) an.
Es war ein unerwartet spannender Wahlabend in der Eltviller Mediathek, denn in den zuerst ausgezählten vier von 14 Eltviller Wahlbezirken lag Penk jeweils vor Kunkel. In den Reihen der CDU-Sympathisanten wuchs zu diesem Zeitpunkt die Unruhe erheblich, bis der erste der drei Briefwahlbezirke ausgewählt war und Kunkel einen knappen Vorsprung gewann, den er bis zum Ende noch ausbauen sollte.
Nicht nur die Briefwähler erwiesen sich als besonders treue CDU-Anhänger, sondern auch die Wähler in den drei Weindörfern Erbach (Kunkel 52,3 Prozent), Rauenthal (63,4 Prozent) und Martinsthal (81,6 Prozent). Penk hingegen gewann von den Stadtteilen nur in Hattenheim (63,8 Prozent).
Auf Wähler gehofft
Die 52 Jahre alte ehemalige Lehrerin Penk hatte bis zuletzt auf die fast 1500 Wähler gehofft, die im ersten Wahlgang Heinz Frankenbach (parteilos) gewählt hatten. Optimistisch hatte sie vor zwei Wochen diese Stimmen zu ihren eigenen addiert und das Ergebnis als Zeichen gewertet, daß die Eltviller mehrheitlich keinen CDU-Bürgermeister mehr wollten.
Und hätten die Frankenbach-Wähler tatsächlich für Penk gestimmt, es hätte wohl gereicht, die gut 900 Stimmen Rückstand auf Kunkel aus dem ersten Wahlgang wettzumachen. Doch dazu kam es gestern nicht: Penk konnte mit 2654 Stimmen (46 Prozent) den Vorsprung Kunkels nur halbieren - auf 457 Voten.
Politisches Nachspiel
Penk zeigte sich enttäuscht, sie habe ein knapperes (und für sie besseres) Ergebnis erwartet. Letzteres gilt auch für Kunkel, der mit „50 Prozent plus eine Stimme“ schon zufrieden gewesen wäre. Seinen Wahlsieg verdanke er „einem ehrlichen, fairen Wahlkampf“, von dem die SPD aber in der letzten Wahlkampfwoche abgerückt sei, sagte er gestern abend. In den Debatten vor der Wahl hatten die SPD und Penk zuletzt abermals den Streit um die Kellerei der Staatsweingüter thematisiert und die „Steinberg-Karte“ zu spielen versucht.
Sie hat sich aber nicht mehr als Trumpf erwiesen. In einem Flugblatt hatte die SPD Kunkel zudem als wankelmütigen Politiker angegriffen, der einem überflüssigen Neubaugebiet auf Weinbergsgelände zugestimmt habe, das teilweise einem Parteifreund gehöre. Die CDU kündigte dazu ein politisches Nachspiel an. Kunkel zeigte sich gestern vom Verhalten der SPD am Ende eines langen Wahlkampfs enttäuscht, er wolle aber nicht „nachkarten“.
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de