Bericht - Weinberge werden zu plastischen Bildern


Nina Stoelting studierte an der TH Darmstadt und in Barcelona Architektur. Um sich ihre Promotion in Darmstadt über "Inszenierung von Kunst" zu finanzieren, nahm sie an Wettbewerben teil und arbeitete in Berlin bei namhaften Architekten. Sie war sehr erfolgreich und hätte als Architektin "etwas werden können". Doch sie hatte ein Problem: "Architektur ist nur mittelbar. Von der Idee eines Gebäudes bis zur Fertigstellung braucht man viele Leute. Das kreative Moment war mir zu gering. Ich aber wollte das Material spüren und die Farbe riechen." So begann sie 1995 im eigenen Atelier mit freier Malerei. In deren Zentrum steht seit 1998 die Werkgruppe der mehrteiligen "Weinbilder" - Triptychen in großer Nähe zur Sakralkunst. Für die 1966 in Wiesbaden geborene Kunsthistorikerin und Malerin gleicht das Thema Struktur einem roten Faden. Sie empfindet sich selbst als "wahnsinnig strukturiert", was ihr die Möglichkeit der Freiheit eröffne. Im Chaos wäre sie nicht mehr gut. Wenn sie auch feststellt, dass wenige in Wiesbaden sie offiziell wahrnehmen, so hat sie sich dennoch durch ihre Einzelausstellungen von Duftbildern, Wein- und Steinbildern vielen Kunstfreunden eingeprägt. Auf Schloss Vollrads, in Kloster Eberbach, in der Kurfürstlichen Burg Eltville und im Museum Schloss Wehen wurde sie präsentiert, ebenso auch in Hamburg und zuletzt 2005 in Budapest. Eine große Ausstellung mit den Wein- und Steinbildern wird von ihr auf der Düsseldorfer Messe "ProWein" zu sehen sein. Mit ihrem Mann, dem international gefragten Bildhauer Gábor Török, verbindet sie die Vorliebe für Naturstein. Beide lernten sich im Frankfurter "695" kennen, einem von Török inszenierten Künstlerzentrum mit Ateliers, Galerie Kunst-Licht und Theater. Seit acht Jahren wohnt Nina Stoelting in einer wunderschönen biedermeierlichen Villa, einem der ältesten Häuser im Nerotal. Strukturiert wie sie ist, bedient sie keine Klischees vom Künstler. Das Atelier gleicht einem Salon samt Flügel und vielen Büchern. Direkt nebenan gibt es einen großen und hohen Raum mit einem von dem Künstlerpaar gebauten schlichten langen Holztisch, der zur Kommunikation einlädt. Ebenso wichtig ist natürlich Lavalle, ein eleganter ungarischer Jagdhund von Format. Gesteigert wird das Wohlgefühl noch durch die Nähe zum Wiesbadener Weinberg. Die von der naturalistischen bis zur ungegenständlichen Tafel reichenden Weinbilder auf Holz haben alle biblischen Titel, denn in der christlichen Mythologie gibt es zahlreiche Bezüge zwischen Christus und dem Wein. Stoeltings Darstellung konzentriert sich auf den Aspekt der Eucharistie: Wein wird dort zu Blut verwandelt. Die in den Bildern verborgene religiöse Symbolik und damit deren abendländische Wurzeln betrachtet sie als eine in die Zukunft weisende Auseinandersetzung mit der christlichen Tradition. Nina Stoelting bezeichnet die erste Serie zum Thema Wein als Geschmacksbilder und sagt dazu: "Im Grunde ist es die pure Lust der Sinne, reine Sinnlichkeit. Konzentration auf die eigene Empfindung, ein sublimiertes Spiel mit Farben, Material und Oberflächen. Authentische Erfahrung, Besinnung. Das ist die Welt, in der ich lebe." Die zweite Serie der Weinbilder heißt "Le goet de la Terre" (Der Geschmack der Erde). Die Bodenbilder entstanden während dreier Monate in Burgund. Dort findet man auf den Weinbergen primär Steine statt Erde. Nina Stoelting spürte der Geologie der Grand Cru-Lagen ebenso nach wie den Gesteinen der einfachen Weingärten. In jedem Gebiet sammelte die Künstlerin Steine, die in beschrifteten Tüten das authentische Ausgangsmaterial für den Bilderzyklus bildeten. Mit einem Hammer zerkleinert, dann meist in einem Mörser zermahlen, wurde das Material auf Acrylbasis gebunden und direkt auf große Holztafeln aufgebracht. Während ihrer Zeit als Präsidentin des Lions-Clubs Wiesbaden-Kochbrunnen kam sie in Kontakt mit der Wiesbadener Galerie Winter. Für deren Weingut in Hattenheim - die Georg-Müller-Stiftung - setzt sie fünf Rheingauer Weinbergslagen malerisch um. Die Arbeiten werden dauerhaft im dortigen Kunstkeller zu sehen sein. Die Eröffnung findet im Rahmen der Luminale am 23. April statt. Für die vier Konferenzräume der Naspa-Zentrale in der Rheinstraße entwickelte sie mit ihrem Bilderzyklus "Metapher" ein gestalterisches Konzept. Energie für ihr intensives Schaffen schöpft Nina Stoelting in der Natur, so besonders beim Reiten an der Fasanerie samt Hund Lavalle.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de