Nach fünfjährigem Hin und Her "sieht es so aus", wie Bauausschussvorsitzender Karl-Heinz Kühn (CDU) sagte, als wolle die Bahn in diesem Jahr mit dem Bau der Lärmschutzwände beginnen. Derzeit angekündigter Beginn: Oktober. Warum sich in den vergangenen drei Jahren nichts tat - dafür habe die Stadt nie eine Erklärung erhalten, erklärte der Magistrat. Im Vergleich zu den Plänen aus dem Jahr 2003, deren Verwirklichung abgebrochen wurde, treten nun Lücken auf. CDU-Sprecher Josef Urban sprach jedoch von einer "unendlichen Geschichte mit positivem Ausgang für Oestrich-Winkel".
Der CDU-Politiker betonte, dass Oestrich-Winkel nun besser dastehe als andere Kommunen. Eltville und Walluf hätten Lärmschutzwände nicht im erwünschten Umfang erhalten, Erbach, Hattenheim, Geisenheim, Rüdesheim, Assmannshausen und Lorch gingen leer aus und müssten sich mit passivem Lärmschutz begnügen - mit Schallschutzfenstern. Bürgermeister Paul Weimann (CDU) führt das Ergebnis für Oestrich-Winkel auf Hartnäckigkeit zurück: "Nur am Ball bleiben führt zum Ergebnis."
Der SPD-Stadtverordnete Hans-Bernhard Hoy sagte: "Was die Bahn sich erlaubt, ist eine Zumutung." Den vereinbarten Eisenbahntunnel in Rüdesheim baue sie wahrscheinlich nie, die Bahnhöfe seien vergammelt, die Bahnsteige ein Hindernis beim Ein- und Aussteigen, die Wagen und Loks völlig veraltet, der Lärmschutz werde verzögert. Hoy kann noch nicht daran glauben: "Sollte ich mich irren, werde ich mich bei Herrn Mehdorn persönlich bedanken."
Der Freie-Wähler-Sprecher Uwe Wohllebe hofft, dass im Oktober tatsächlich der Bau beginnt - "denn die Hoffnung stirbt zuletzt." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kluge-Pinsker stimmte Hoy zu, dass die Bahn eine Zumutung sei. Sie hoffe aber, dass nicht nur der Lärmschutz gebaut, sondern die Bahn auch mehr für den öffentlichen Personen-Nahverkehr genutzt wird.
Die Stadtverordneten stimmten der Planung mit Bedingungen zu:
Im Bereich des Bahnübergangs an der Hallgartener Straße dürfe der Lärmschutz nicht entfallen.
In Höhe des Mittelheimer Rathausplatzes soll die bestehende Wand mit einer "Vorsatzschale" versehen werden.
Ebenfalls in Mittelheim, im Bereich Riesling-/Neustraße, soll entgegen der vorliegenden neuen Planung wenigstens ein Teil der Lärmschutzwand errichtet werden.
Nach der Beseitigung der Bahnübergänge an Hallgartener und Dillmannstraße in Oestrich besteht die Stadt darauf, dass die Lärmschutzwand dann auch in diesen Lücken errichtet wird.
An der Grenzstraße in Oestrich soll die bisher geplante Wand nach dem Willen der Bahn wegfallen - die Stadt verlangt die Finanzierung eines anderen Lärmschutzes.
Im Vergleich zu den Plänen von 2003, denen die Stadt zugestimmt hatte, die aber abgebrochen wurden, registriert die Stadtverwaltung darüberhinaus folgende Änderungen:
In Oestrich keine Lärmschutzwand von der Hallgartener Straße in Richtung Osten, keine südlich der Bahn in Höhe Lindenstraße 19 bis 45.
In Mittelheim kompletter Verzicht auf eine Wand von In der Scharbel 7 bis Rieslingstraße 1 und Neustraße, außerdem - auf der südlichen Seite des Bahndamms - vom Rathausplatz bis zur Grenzstraße.
In Winkel entfällt ein kleines Stück am Friedhof sowie westlich der Achim-von-Arnim-Straße. Im Vergleich zur überholten Planung stellt die Stadt die einzige Verlängerung des Lärmschutzes von der Kirchstraße bis zur Friedhofsmauer fest.
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