Rekordsummen waren bei den Weinversteigerungen im Kloster Eberbach in den vergangenen Jahren vermisst worden. 2001 ging eine 1921er Steinberger Trockenbeerenauslese für 19500 Mark an den Meistbietenden. Zum Jubiläum - 200 Jahre Versteigerungen in Eberbach - hatte der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner, mit dem 1920er Steinberger etwas Besonderes aus der Schatzkammer geholt.
Die mehr als 600 Besucher mussten sich bei diesem Unikat freilich mit der Beschreibung zufrieden geben und konnten sich nicht wie bei den meisten anderen Weinen selbst ein Urteil bilden. "Rotbraune Farbe, Duft nach feinsten Feigen", so die Charakteristik des Weins, dessen innere Werte mit 260 Grad Oechsle und hoher Säure von 29 Gramm pro Liter angegeben werden. Ob allerdings Dade Thierioth, ein Weinhändler aus San Francisco, den Edelsüßen selbst verkosten wird, ist fraglich. Eine Stellungnahme wollte er nicht abgeben. Er hatte seinen Platz direkt neben dem Kommissionär Joachim Ress, der die alte Flasche für ihn ersteigerte. Erst im vergangenen Jahr hatte Ress dem kalifornischen Weinhändler eine wertvolle Sammlung mit fast 2000 Flaschen Trockenbeerenauslesen vermittelt, die ein Weinfreund aus Harxheim verkaufte.
Die Jubiläumsveranstaltung wartete nicht nur mit Wein-Unikaten auf, sondern hatte weitere Besonderheiten zu bieten: Ministerpräsident Roland Koch (CDU) war zu Gast. Als Schirmherr für die Versteigerung eines Benefizweins warb er für die Unterstützung der Ökumenischen Hospiz-Initiative Rüdesheim, die ehrenamtlich Schwerkranke und Sterbende betreut. Dafür gebe es einen schnell wachsenden gesellschaftlichen Bedarf, sagte die Vorsitzende, Pfarrerin Beate Jung-Henkel. Den Erlös von 1000 Euro für eine 1937er Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese stellen die Staatsweingüter der Initiative zur Verfügung.
Koch war mit einigen Buh-Rufen empfangen worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Staatsweingüter, der im Rheingau wegen der geplanten Kellerei am Steinberg stark in der Kritik steht, hatte kurz zuvor noch für das Vorhaben geworben. Er kam gerade vom CDU-Kreisparteitag in Oestrich, wo er die Computer-Animation des geplanten Neubaus kommentiert hatte.
Bei der Jubiläumsversteigerung fehlte mit Reinhold Schwalbach ein Kommissionär, der die Veranstaltung seit Jahrzehnten mitgeprägt hat. Nach seinen Angriffen auf Geschäftsführer Greiner, hatte dieser die Verträge mit dem Weinhändler gekündigt. Als Kommissionär hätte Schwalbach aber Zugang zur Versteigerung gehabt, so Greiner. Doch es sei wohl verständlich, wenn für Schwalbach vorher nicht geworben worden sei.
Der Andrang des Publikums, das von jungen Frauen der Winzertrachtengruppe Guldental bewirtet wurde, war groß. 200 Interessenten musste nach Angaben Greiners eine Absage erteilt werden. Die mehr als 600 Besucher, die 40 Euro Eintritt zahlten, konnten 31 Weine verkosten, von Leo Groß wie immer mit Rheingauer Gebabbel auf das Beste angepriesen. Für den ältesten Wein, einen 1897er Steinberger, fiel der Hammer bei 1 400 Euro. Er stand ebenso als Unikat auf der Liste wie eine 1936er Assmannshäuser Spätburgunder Rotweiß-Edelbeerenauslese (730 Euro), eine 1946er Erbacher Marcobrunn Beerenauslese (1320 Euro), ein 1921er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder (1 000 Euro) oder eine 1953er Rauenthaler Baiken Riesling Beerenauslese (800 Euro). Unter dem Strich wurde ein Ergebnis von 100000 Euro erzielt. Geschäftsführer Greiner war zufrieden und verwies auf die Dichte des Angebots hochwertiger Weine.
Am Abend zuvor hatten im Kronenschlösschen in Hattenheim auch die besonderen Tropfen verkostet werden können. Bei der Weltraritäten-Wein-Gala, die mit dem Rheingau Gourmet&Wein Festival veranstaltet und bei der ein Sechs-Gang-Menü geboten wurde, kostete ein Platz allerdings 1250 Euro.
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