Im Keller angekommen, weiß Dieter Greiner einen Moment lang nicht mehr weiter. "Ich habe mich verlaufen", bekennt der Geschäftsführter der Staatsweingüter. Kein Wunder: Die Kellerei, die er einer kleinen Schar von Journalisten vorstellt, gleicht, so neu wie sie ist, einem Labyrinth. Doch ein paar Maus-Klicks, und schon hat er die Orientierung wieder.
15 Millionen Euro soll die neue Weinkellerei kosten, die die Staatsweingüter im historischen Steinberg bauen wollen. Rund anderthalb Millionen Euro sind bereits ausgegeben. Für Planungskosten. Denn bislang existiert die Kellerei nur im virtuellen Raum.
Schöne neue Welt des Weinbaus. "Luftig, leicht und locker", lobt Greiner die Architektur. Dieseits der Vision ist die Domäne Steinberg heute ein rundum fast geschlossener Gutshof, der in seinen wesentlichen Teilen unter Denkmalschutz steht. Künftig soll sich der Hof öffnen - hin zu einem Blick über Rhein und Rheingau hinweg, und weit nach Rheinhessen hinein.
Die neuen Gebäude verstecken sich vor den mittelalterlichen Bruchstein-Mauern des Steinbergs, ducken sich unter den barocken Torbogen. Unauffällig will die Flachdach-Architektur sein. Und ist doch augenfällig, weil sie mit ihrer mondänen Linienführung einen jähen Kontrast bildet zu den ab 1907 von den Preußen gebauten, heimelig anmutenden Domänen-Gebäuden, denen das Landesdenkmalamt landschaftsverträgliche Gestaltung bescheinigt hat.
Beeindruckend echt wirkt die virtuelle Führung. Den Blick auf die umstrittene Lichtfuge spart sie nicht aus. Umstritten deshalb, weil Landrat Burkhard Albers (SPD) an ihr seine Ablehnung des Bauantarges festmachte, bevor dieser dann doch vom Regierungspräsidenten genehmigt wurde. Die Fuge ist jener 71 Meter lange, vier Meter breite und bis zu 13 Meter tiefe Einschnitt in den Weinberg, durch den man von außen in die Kellerei fahren könnte. Fahren? "Sehen Sie hier irgendwo eine Straße", fragt Greiner. "Ist hier Platz, damit ein Sattelzug wenden kann?". Fluchtweg im Notfall vielleicht ja. Aber keine Rampe für Lieferanten, sagt der Geschäftsführer der Staatsweingüter. "Man sieht die Lichtfuge nirgends, es sei denn, man ist mit dem Hubschrauber unterwegs".
Greiner hat denn auch "kein schlechtes Gewissen, was die Kulturlandschaft angeh". Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass er endlich mit dem Bau der Kellerei beginnen kann.
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