"150 Jahre nach Inbetriebnahme der Strecke ist die Bahnverbindung im Rheingau zu einem Problemfall geworden" - so begründeten die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper (Hallgarten), der Eltviller CDU-Vorsitzende und Bürgermeisterkandidat Patrick Kunkel und der Beauftragte für den hessischen Teil des Welterbes "Oberes Mittelrheintal", der Kreisbeigeordnete Karl Ottes (ebenfalls CDU), gestern ihre Initiative. Auf der Bahnstrecke Wiesbaden-Koblenz seien grundlegende Veränderungen erforderlich, damit mehr Menschen Zug fahren. Die Lärmbelästigung durch die Bahn und der Güterverkehr müssten reduziert, das Angebot im Personenverkehr müsse besser werden. Die Rheingauer CDU-Politiker stellen sich einen Stufenplan und ein Bündel aufeinander aufbauender Maßnahmen vor. In diesem Jahr sollen sie beginnen und die Bahn im Rheingau bis zum Jahr 2010 wieder zu einem effektiven Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs machen, erklärten sie. Bisher konzentriere sich der Verkehr zu sehr auf die Straßen, die überlastet würden.
Die CDU verstärkt damit eine Initiative des Kreistags. Auf Antrag der SPD hat er den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in die Pflicht genommen. Die Zustände auf der "RMV-Linie 10" Wiesbaden-Koblenz seien inakzeptabel. Die Leit- und Sicherungstechnik müsse schon vor 2008 modernisiert werden, die dann größere Steckenkapazität müsse auch dem Personenverkehr zugute kommen. Sieben von zehn Bahnhöfen von Walluf bis Lorchhausen genügten "in keiner Weise den heutigen Standards" und behinderten den Betriebsablauf. In Erbach, Hattenheim, Oestrich-Winkel, Geisenheim, Rüdesheim und Lorch müssten die Bahnsteige höher gelegt, in Niederwalluf, Eltville, Assmannshausen und Lorchhausen die Unterführungen mit Rampen versehen werden. Die veralteten Wagen, die im RMV-Gebiet sonst nur noch selten verkehren, müssten im Interesse der Berufspendler, Schüler und des Tourismus auch aus dem Rheingau verschwinden. Nach dem Gutachten "Rhein-Hessen-Netz", das der RMV selbst in Auftrag gab, habe diese Strecke noch ein zusätzliches Fahrgastpotenzial von 38 Prozent. Der Verkehrsverbund, in dem der Landkreis einer der Gesellschafter ist und mit Landrat Burkhard Albers im Aufsichtsrat Einfluss hat, müsse das Angebot deshalb ausweiten. Der Kreistag schlägt für alle Haltepunkte einen stündlichen Grundtakt vor, halbstündig verkehrende Züge an den Regionalexpress-Stationen (Lorch, Rüdesheim, Geisenheim, Eltville). Zu diesem Grundtakt müssten in den Hauptverkehrszeiten noch "Verdichtungen" kommen.
Der Kreistag hat den SPD-Antrag noch um eine S-Bahn erweitert. Demnach soll der Rhein-Main-Verkehrsverbund Stellung zu einer Verlängerung der S1, S8 oder S9 in den Rheingau hinein beziehen. Dabei geht es neben einem Anschluss zum Wiesbadener Hauptbahnhof auch um eine direkte Verbindung mit Mainz und dem Flughafen.
Die Rheingauer CDU-Politiker verbinden ihren gestrigen Vorstoß "Rheingau-Bahn 2010" mit einer "interkommunalen Initiative". In einer Gemeinschaftsaktion sollen die Städte und Gemeinden von Walluf bis Lorch den dringenden Handlungsbedarf deutlich machen. Bei der Gestaltung der Bahnhöfe seien sie besonders gefordert. "Hier müssen wir als Region denken, handeln und gemeindeübergreifend die Interessen der Rheingauer Bevölkerung vertreten", betont die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper. Karl Ottes erklärt, das Forum Mittelrheintal und der dortige Zweckverband hätten sich eine gemeindeübergreifende Initiative zur Bekämpfung des Bahnlärms im Rheintal auf ihre Fahnen geschrieben. Diese Zusammenarbeit könne über die Landesgrenze nach Hessen ausgedehnt werden. Patrick Kunkel sieht die Bahn als Chance für die Region. Sie könne Menschen schnell und umweltschonend an ihr Ziel bringen. Für die sensible Kulturlandschaft des Rheingaus sei diese Form der Fortbewegung besonders geeignet.
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