Am Meer und an Flüssen fühlt sich Wendy Penk wohl, "am Wasser" an der schottischen Ostküste ist sie aufgewachsen, in Edinburgh hat die Eltviller SPD-Vorsitzende auch studiert. Deshalb ist der Leinpfad am Eltviller Rheinufer einer ihrer Lieblingsorte. Und den könne man niemandem verwehren. Daher ist die 52-Jährige, die sich als "Naturmensch" bezeichnet, dagegen, dass Abschnitte des Leinpfads am Wochenende für Radfahrer gesperrt werden sollen. Man könne Radtouristen in Eltville nicht von einem der schönsten Teile des Rheinufers ausschließen. Wendy Penk setzt auf "mehr Toleranz" zwischen Fußgängern und Radfahrern.
Mehr Toleranz erwartet die Lehrerin (Germanistik, englische Literatur), die einst in der Fernsehsendung "Telekolleg" das Fach Englisch moderiert hat, aber jetzt nicht mehr als Lehrerin arbeitet, in der Eltviller Kommunalpolitik. Es gehe zu oft ums "Recht haben", nicht um die Sache. Bürger könnten viele Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen, in keiner Rheingauer Stadt gebe es mehr Gerüchte als in Eltville. Das erfährt sie auch jeden Donnerstag, wenn sie auf dem Wochenmarkt auf dem Entenplatz mit Bürgern spricht. Projekte, die in der Bevölkerung auf Ablehnung stoßen, werden durchgeboxt, schreibt Penk auf ihrer Internet-Seite. Entscheidungsprozesse müssten transparenter werden, fordert sie. Die SPD-Kandidatin hat es wie der parteilose Heinz Frankenbach leichter als der Mitbewerber Patrick Kunkel (CDU), Strukturen zu kritisieren. Dieser muss Rücksicht nehmen auf seine Partei, der der Bürgermeister angehört, und die die stärkste Fraktion im Stadtparlament stellt.
Penk blickt auf den Streit zwischen Bürgermeister Hoffmann (CDU) und dem früheren Dezernenten Schuhmacher (CDU) zurück und wirft beiden "Versagen in der Personalführung" vor. Als Verwaltungschefin will sie einen kooperativen Stil pflegen, sie sieht sich als "Teamworkerin", die aber die Entscheidungen trifft. Als Schuhmacher freilich alle Fraktionen an einen Tisch bat, um über den Platz der deutschen Einheit zu beraten, war die SPD die größte Kritikerin und pochte auf den Geschäftsgang im Magistrat.
In der Verwaltung sieht Wendy Penk "Verschlankungspotential", ohne konkret zu werden. Zuerst müsse das geplante Bürgerbüro funktionieren. Nach der Prüfung von Personalstrukturen will sie sich vorbehalten, eine Nichtbesetzung frei werdender Stellen vorzuschlagen. Zusammenarbeit zwischen den Kommunen könne Kosten sparen. Penk nennt Bauhof und Touristik. Beim Fremdenverkehr komme es darauf an, alle Initiativen an einen Tisch zu bringen: Gewerbetreibende, Verkehrsverein, Tourist-Info, Rheingau-Taunus Kultur- und Tourismus GmbH sowie "Die drei im Rheingau" (Eltville, Kiedrich und Walluf). Eltville sei auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor angewiesen.
Achillesfersen des Haushalts seien Schwimmbad und Kindergärten. Bei beiden Einrichtungen müsse sich die Stadt weiter engagieren, sagt Penk, wobei die Freibad-Gastronomie öffentlich ausgeschrieben werden sollte. Langfristig sei eine städtische Trägerschaft für alle Kindergärten zu prüfen, wenn sich die Kirche weiter zurückziehe. Das ermögliche einen effektiveren Personaleinsatz. Die SPD will ein für die Eltern kostenfreies drittes Kindergartenjahr beantragen. Das koste die Stadt mehr als 250000 Euro. Oestrich-Winkel leiste sich das auch, so die Kandidatin.
Die SPD-Vorsitzende ist Gegnerin einer Kellerei am Steinberg und einer "künstlichen Landschaft" in Form eines Golfplatzes unterhalb von Kloster Eberbach. Das im Ober Setzling beschlossene Baugebiet hätte sie am liebsten verhindert. Wohnraum sei in Eltville genug da, oft für junge Familien aber nicht erschwinglich. Die Stadt, so fordert Penk, sollte darauf drängen, dass auf der frei werdenden Fläche preiswerte Einheiten für Familien und altersgerechtes Wohnen entstehen.
An Stelle der Rheingauhalle hält die Kandidatin ein Hotel mit Veranstaltungsräumen für nötig. "Mediterranes Flair" stellt sie sich auf dem Platz der deutschen Einheit vor, wenn im Sommer in Absprache mit den Anliegern Außenbewirtschaftung bis 23 Uhr erlaubt ist. Auch Open Air-Veranstaltungen seien möglich.
Nachholbedarf gebe es in den Stadtteilen, die sich "vernachlässigt fühlen", sagt die SPD-Vorsitzende, die in Hattenheim wohnt. Die Stadtteile müssten besser in die Tourismus-Angebote eingebunden werden. Schließlich sei auch eine bessere Vernetzung durch einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr nötig. Dazu könnten Kleinbusse wie in Taunusstein, Hohenstein und Idstein eingesetzt werden.
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