Für fünf Mitglieder der Eltviller CDU war es der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: Nachdem der Eltviller Bürgermeister Bernhard Hoffmann (CDU) der vom Stadtparlament angestrebten Klage gegen die geplante Steinberg-Kellerei widersprochen hat, stand für sie endgültig fest, dass sie ihrer Partei den Rücken kehren. Sie bestätigten gestern, dass sie aus der CDU austreten. Ihr Parteibuch geben zurück: Adam Hulbert, der Vorsitzende des Weinbauvereins Eltville, Stefan Gerhard, Kommissionär und Vorsitzender des Hattenheimer Weinbauvereins, sein Hattenheimer Kollege Hans Lang und der Eltviller Winzer Thomas Schumacher.
Zur Gruppe der Winzer hat sich mit Franz Keller, Chef der Adlerwirtschaft in Hattenheim, eine weitere bekannte Persönlichkeit aus der Region gesellt. Die vier Winzer und der Gastronom kandidieren aber bereits auf der Liste der Freien Wähler für den Rheingau-Taunus-Kreistag. Diese war schon im vergangenen November beschlossen worden. Aber damals habe es noch "Hoffnung auf Versöhnung gegeben" meint Gerhard.
Es falle ihm sehr schwer, seine politische Heimat aufzugeben, sagt Hulbert, CDU-Mitglied seit 1968. Wie seine Kollegen hat ihm besonders eines missfallen: Dass Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erklärt habe, es werde in jedem Fall eine neue Kellerei gebaut und der jetzige Standort an der Schwalbacher Straße werde aufgegeben "Damit macht Koch die CDU im oberen Rheingau kaputt", meint Hulbert. Hans Lang erwartet, dass die CDU bei der Kommunal- und Bürgermeisterwahl in Eltville "einen auf den Hut kriegt". Dass Bürgermeister Hoffmann der angestrebten Klage widersprochen habe, zeige, dass eine Niederlage vor dem Verwaltungsgericht befürchtet werde. "Wer mir nur leid tut, ist der Patrick Kunkel", sagt Lang. Denn der Eltviller CDU-Vorsitzende und Bürgermeister-Kandidat, der sich für eine Klage ausgesprochen hat, müsse mit dieser Entwicklung zurecht kommen.
Thomas Schumacher kritisiert nicht nur das Verhalten des Ministerpräsidenten. Ihm passt auch nicht, dass sich Landrat Burkhard Albers (SPD) nicht stärker gegen die Anweisung des Regierungspräsidenten zur Wehr setze. Dieser hatte Albers verpflichtet, die Baugenehmigung für die Steinberg-Kellerei zu erteilen.
In einer äußerst schwierigen Position sieht sich die Eltviller CDU, in deren Reihen einige Stadtverordnete für eine Klage stimmten. Der Widerspruch des Bürgermeisters macht's nicht leichter. Schon seit längerem sind die Partei und der Bürgermeister nicht die besten Freunde, unter anderem deshalb, weil die CDU nicht reagierte, als Hoffmann anbot, erneut zu kandidieren.
Unterdessen prüfen Verfechter einer Steinberg-Klage, ob sie ein einstweiliges Verfahren vor dem Verwaltungsgericht beantragen, so SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Hannes. Der Bürgermeister soll verpflichtet werden, die Klage Frist wahrend einzureichen.
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