Bericht - Christliche Werte weiterhin vermitteln


Zum 1. Januar übernahm die Stadt Eltville die Trägerschaft für den katholischen Kindergarten mit drei Gruppen für 75 Kinder von der Kirchengemeinde. Jetzt erfolgte die offizielle Übergabe mit Gottesdienst und Empfang in der Kita.

"Gibt es was zu feiern?", fragte Bürgermeister Bernhard Hoffmann, erntete dafür ratlose Blicke von den sieben Erzieherinnen um Leiterin Monika Rossel, Eltern, Kindern, Vertretern von Stadt und Kirchengemeinde und beantwortete seine Frage selbst: "Eigentlich nicht!" Weder sei es erfreulich, dass die Kirchengemeinde ihre jahrzehntelange "fabelhafte" Trägerschaft aufgebe, noch strebe die Stadt danach, weitere Trägerschaften zu übernehmen. Dass es trotzdem dazu kam, lag an einer "Empfehlung" des Bistums. Mitte Juli 2005 informierte die Kirchengemeinde die Stadt, dass sie als Träger der Kita, der einzigen kirchlichen in städtischem Gebäude auf städtischem Grundstück, aufgeben müsse. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen die anschließend monatelang verhandelte Übernahme. Seit 1. Oktober bietet die Kita, die auch behinderte Kinder aufnimmt, Ganztagsbetreuung mit Mittagessen von 7.30 bis 16.30 Uhr. Ansonsten gehe es weiter wie bisher, versicherte Hoffmann und zog die Kinder als Zeugen heran: "Hat sich etwas geändert?" Fabian, Claudia, Nick und die anderen der 58 Kinder überlegten, bevor alle überzeugt die Köpfe schüttelten. Monika Rossel, die den Kindergarten seit 25 Jahren leitet, bestätigte den Eltern, dass das religionspädagogische Konzept erhalten bleibt. "Die Stadt ist gut beraten, hier die christlichen Wertvorstellungen weiter zu praktizieren", erklärte Hoffmann. Er dankte der Kirchengemeinde für ihr "großherziges" Angebot, über fünf Jahre zu Investitionskosten für die Kita bis zu 30000 Euro beizusteuern. Seit die Stadt den Kindergarten in der Hallgartener Straße 1973 baute, trug ihn die katholische Gemeinde. Seine Geschichte ist aber viel älter. 1905 vermachte Babara Böhm ihr Haus gegenüber der Kirche derselben und bat, einen Kindergarten mit Nähschule darin einzurichten. Als die Dernbacher Schwestern diesen aufgaben, übernahm die Stadt den Neubau und die Kirchengemeinde die Trägerschaft. Sie jetzt abzugeben, "fiel uns nicht leicht", betonte Pfarrer Gereon Rehberg, dass der Kindergarten "immer Priorität" besaß. "Wir räumen das Feld, weil die Diözese es uns empfahl." Rehberg signalisierte deutlich, wie unglücklich die Leitung der Pfarrgemeinde darüber sei, die gut drei Jahrzehnte in den Betrieb des Kindergartens investierte und das auch zukünftig tue. "Es geht letztlich ums Geld", so Thomas Lörcher von der Stadtverwaltung zum Grund für die Übergabe. Denn das Bistum, das bisher 20 Prozent der Betriebskosten und damit rund 46000 Euro in 2005 trug, reduzierte seinen Beitrag anders als für andere katholische Kindergärten nicht auf 15 Prozent, sondern in Hattenheim auf null. "Den Anteil trägt die Stadt jetzt mit", erklärte Lörcher. Die Stadt finanziert so 60 Prozent, also 166000 Euro von den für 2006 geplanten Gesamtkosten von 310000 Euro. Knapp ein Drittel, also fast 100000 Euro, decken Elternbeiträge ab, den Rest von rund 50000 Euro Landes- und Kreiszuschüsse. Bei den Investitionskosten ändere sich dagegen wenig, erklärte Lörcher. "Da trug die Stadt als Eigentümer schon immer den Hauptteil." So wehmütig die Stimmung war, so zufrieden waren doch alle Beteiligten mit der Lösung und klatschten begeistert Beifall, als die Kleinen das Wichtigste in einem Lied formulierten: "Wir Kindergartenkinder, wir sind da - hurra!"

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