150 Jahre Eisenbahn durch den Rheingau sollten Anlass eines neuen Konzeptes sein, meint der SPD-Verkehrsexperte Herbert Ujma. Nach einer Denkpause, die der Kreistagsabgeordnete aus Walluf vorschlägt, könnte ein durchdachtes Konzept für ein modernes Verkehrsmittel, das Straßen und Umwelt entlastet, eine angemessene Würdigung des Jubiläums am 11. August sein. 1856 wurde an diesem Tag die Bahnstrecke zwischen Biebrich und Rüdesheim offiziell eröffnet.
Zum Streckenjubiläum präsentiert Ujma ein Konzept, das nach seiner Ansicht Hand und Fuß hat - im Interesse der berufstätigen Rheingauer, die im Rhein-Main-Gebiet arbeiten, im Interesse des verkehrsgeplagten Wiesbaden, im Interesse auch der Ausflügler, die für ihre Ziele im Rheingau nicht mehr auf unpünktliche Züge und veraltete Waggons angewiesen wären.
Die von der Bahn selbst als veraltet bezeichnete Leit- und Sicherungstechnik soll nicht erst 2008, sondern möglichst früher installiert werden. Eine Modernisierung für 180 Millionen Euro hat die Bahn dem Vernehmen nach sowieso vor. Die Modernisierung darf nicht nur für mehr Güterverkehr genutzt werden, sondern muss dem SPD-Experten zufolge auch einer Intensivierung des Nahverkehrs dienen. Bisher sei die Strecke zwischen Wiesbaden und Koblenz gepflastert mit Mängeln am Schienenweg und zahlreichen Langsamfahrstrecken, außerdem werde der Betriebsablauf durch unzulängliche Stationen behindert.
Von zehn Stationen, hakt Ujma ein, genügen sieben den heutigen Anforderungen längst nicht. In Erbach, Hattenheim, Oestrich-Winkel, Geisenheim, Rüdesheim und Lorch müssten die Bahnsteige höher gelegt, in diesen Bahnhöfen wie in Eltville, Assmannshausen und Lorchhausen die Zugänge mit Rampen versehen werden. Lorch, fordert Ujma, das die Bahn zu einem Haltepunkt degradiert hat, muss wieder ein Bahnhof werden, in dem Züge beginnen und enden können.
Vertraglich hat die Bahn das Recht, im Rheingau bis zum Jahr 2010 ihre klapprigsten Waggons einzusetzen. Für Pendler, Schüler und Ausflügler und als Alternative zum Auto sind sie alles andere als attraktiv. Neue Wagen müssen her, wie die SPD zum Streckenjubiläum fordert, für problemlosen Ein- und Ausstieg, mit genügend Platz für Fahrräder und klimatisiert, wie auf anderen Strecken längst üblich.
Als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs zwischen der dünn besiedelten Region und dem Ballungsraum sei die Rheingaustrecke vernachlässigt. Ujma verweist auf die Studie Rhein-Hessen-Netz, derzufolge "erhebliche Potenziale" auf des Schienenwegs am Rhein nicht ausgeschöpft werden, und fordert als Grundtakt an allen Stationen stündlich einen Zug, halbstündlich einen Anschluss an den Regionalexpress-Stationen - das sind Lorch, Rüdesheim, Geisenheim und Eltville. Auch an den Wochenenden soll wegen der wachsenden Bedeutung von Tourismus und Naherholung mindestens jede Stunde ein Zug fahren.
Als weitere Schwachstelle erkennt Ujma die zeitraubende Schleife zwischen dem Wiesbadener Sackbahnhof und Biebrich. Die Verzögerung auf dem Weg zwischen Kastel und dem Rheingau könnte von bisher 20 Minuten auf die Hälfte reduziert werden, vermutet Ujma.
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de