Bericht - Passt es oder passt es nicht?


Passt nicht? Passt doch - wenn der Wein qualitativ hoch steht und die Schokolade aus edlen Zutaten entstand. Dann können beide eine Verbindung eingehen, die es krachen lässt, eben wie im richtigen Leben. Champagner-Trüffel in einer 2004-er Ohlig Gold-Cuvee zum Auftakt macht Laune und Appetit auf mehr. Auf 22 Proben edlen Rebensaftes, die diesmal in besonderer Begleitung daher kommen. Gewagt hat es der Bund Rheingauer Weinbau-Fachschulabsolventen, die ehedem tabuisierte Verbindung nicht nur zuzulassen, sondern sie mit dem Segen zweier Fachleute als partnerschaftsfähig zu erklären, sollen doch edel herbe "Tanzania", vollmilchige "Papua Rouge", weiße "Safran Curry" oder "Barrique"-Pralinen Worscht und Weck nicht ersetzen. Zunächst also den 2003-er Chardonnay der Hessischen Staatsweingüter unter die Zunge und an den Gaumen kriegen, detailliert erläutert von Weinchemiker Werner Vogel aus Geisenheim. Dann es in Ohrennähe hörbar knacken lassen, und zwar mit einem Stück edelherber "Tanzania". Wo sonst drückt schon ein akustisches Vorspiel die Vorfreude auf das aus, was kluge Geschmacksknospen gleich als Röstaroma einer Kakaobohne aus der Karibik erkennen? Wer Schokolade noch nie unter analytischen Bedingungen verkostet hat, dem half im voll besetzten "Haus des Gastes" zum krönenden Abschluss der Fachtagung Eberhard Schell auf die Sprünge, Konditormeister und als Chocolatier Chef der Schokoladenmanufaktur mit Wurzeln im schwäbischen und badischen Ländle. Wer Safran Curry bislang mit indischer Küche gleichgesetzt hat, liegt nicht verkehrt, lernt nun aber dazu, dass das weißer Schokolade den Kick gibt und im Verbund mit einer 2003-er Riesling-Auslese von Klaus-Peter Kessler aus Martinsthal und einer 1999-er Riesling-Beeren-Auslese von Hans Lang aus Hattenheim zu "sensorischem Stakkato" führt. Wie das edelherbe Stück "Vitis Noir" mit einem 2004-er Umstädter Spätburgunder Qualitätswein trocken aus der Odenwälder Winzergenossenschaft und der 2003-er Rheingauer Spätburgunder Auslese von Alois Dahn aus Winkel. Was degustatorisch manch einem zunächst befremdlich vorkommen mochte, fand zunehmend Anklang, könnte sich vielleicht zur Marktlücke mausern für die, die dem Rat des Chocolatiers folgen: statt einer "Cocacolaisierung" der Gesellschaft mit Design-Food ihm mit erstklassiger Ware in die Dimensionen neuer Genusssphären zu folgen. So wären nach den Worten von Fritz Derstroff, Vorsitzender des Bundes Rheingauer Weinbau-Fachschulabsolventen, neben Wein nicht nur Zigarren und Käse in aller Munde, sondern zunehmend auch Schokolade. Casanova soll Schokolade sogar dem Champagner vorgezogen haben, weiß Chocolatier Schell, und meint: "Warum nicht doppelt genießen?

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