Der Kurier wollte bei den Profis sichergehen: Gefragt sind keine komplizierten und zeitaufwändigen Kreationen, sondern praktikable Rezepte, die nach dem Vorweihnachtsstress Zeit für ein besinnliches Zusammensein an Heiligabend erlauben. Franz Keller von der Hattenheimer "Adlerwirtschaft" reagiert zunächst zurückhaltend: "Leicht, aber nicht banal - das klingt nach der Quadratur des Kreises." Doch dann dachte Keller an seine Heimat, dem Dorf Oberbergen am Kaiserstuhl, die gute badische Küche und an Großmutter Mathilde, die dem jungen Keller das kleine Einmaleins von Zwiebelkuchen, Kartoffelsalat und "Schäufele" beibrachte. "Schäufele", also ein geselchtes und geräuchertes Schweineschulterblatt, mit einem Linsen- und Feldsalat käme auch bei Franz Keller an Heiligabend auf den Tisch - hätte er nicht seine "Adlerwirtschaft" geöffnet. "Schäufele" ist ohnehin typisch Keller. Schließlich zählt der 55-Jährige zu den wenigen Umsteigern. Franz Keller schwor nach der "Tomate" in Köln und der Station als Küchendirektor auf Schloss Bühlerhöhe in Baden-Baden den Michelin-Sternen ab. Seit 1990 betreibt er sein Lokal in Hattenheim.
Beinahe vis-a-vis steht seit drei Jahren Josef Laufer vom "Krug" am Herd. Dort kombiniert der 30-Jährige durchaus Modernes wie eine Blutwurst mit einer roten thailändischen Currysauce. Für die Kurier-Leser empfiehlt Laufer für den 24. Dezember das Gericht, das er und seine Frau Katja selbst kochen. Der gebürtige Rheingauer rät zum gerösteten Entenhaschee. Skeptiker ob des umfangreichen Rezepts beruhigt Laufer. Zwar seien für das Haschee einige Handgriffe nötig, doch sei das Gericht auch für Ungeübte "kein Hexenwerk".
Der dritte Vorschlag kommt von der "Burg Schwarzenstein" in Johannisberg, wo sich Benedikt Faust innerhalb von sechs Monaten 16 Punkte im Gault Millau erkocht hat und nun zu den "Shooting Stars" im Rheingau zählt. Faust hat ein Fondue-Gericht parat, das je nach Geldbeutel mit verschiedenen Sorten Fleisch, aber auch Riesengarnelen bestückt und mit diversen Dips aus der Burg-Küche serviert wird. Faust denkt im Übrigen sehr praktisch: Wer keine Fondue-Ausstattung besitzt, kann sich auch mit einem einfachen Topf behelfen, in dem das Öl auf 160 Grad erhitzt wird.
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