Das Eltviller Stadtparlament hat gegen einige Stimmen aus der CDU-Fraktion beschlossen, dass die Stadt die Trägerschaft für den katholischen Kindergarten Hattenheim übernehmen soll. Dabei wurde auch grundsätzlich über eine kirchliche Trägerschaft diskutiert.
Das Bistum Limburg hat mit der Verringerung des Finanzierungsanteils von 20 auf 15 Prozent auch eine Überprüfung für alle katholischen Kindergärten verbunden, ob und unter welchen Bedingungen eine weitere kirchliche Trägerschaft in Frage kommt. Im Falle der Kindertagesstätte St. Vincenz, deren Gebäude der Stadt gehört, sei eine mangelnde Auslastung festgestellt worden, berichtete Bürgermeister Bernhard Hoffmann (CDU). Das Bistum habe die Abgabe der Trägerschaft empfohlen, es sei allenfalls noch bereit, zwei von drei Gruppen mitzufinanzieren. Dieser Punkt war Anlass für eine grundsätzliche Debatte.
Es sei immer noch besser, wenn die Kirche zwei Gruppen mitfinanziere und ehrenamtliche Arbeit übernehme, dadurch werde die Stadt entlastet, meinten Günter Brack und Christian Werner (beide CDU). Wenn die Stadt die Kindertagesstätte komplett betreibe, dann wirke das wie ein Signal mit der Folge weiterer Trägerschaftsübernahmen durch die Stadt, befürchtet Brack. Die CDU stand mit ihrem Antrag alleine da, die Stadt möge noch einmal über eine kirchliche Trägerschaft für alle drei Gruppe verhandeln.
Kritische BewertungEine kritische Bewertung des kirchlichen Rückzugs gab es von Rainer Scholl (FDP), der selbst in katholischen Gremien aktiv ist. Das Bistum wolle immer weniger finanzieren, aber noch das alleinige Sagen in den Kindergärten haben. Das wäre dann auch für die beiden Gruppen der Fall. Deshalb sei eine einheitliche städtische Trägerschaft die bessere Lösung. Wenn sich die Kirche weiter zurückziehe, sollten Nachbarkommunen kooperieren und eine gemeinsame Trägergesellschaft zum Betreiben von Kindergärten gründen, schlägt Scholl vor. Dadurch seien Synergieeffekte möglich.
"Massiven Unmut" gegenüber der Kirche äußerte auch Ingo Schon (CDU). Sie kritisiere immer, wenn es in der Wirtschaft Kündigungen gebe, in ihrem eigenen Bereich handle sie aber genauso und könne sich darauf verlassen, dass der Staat dahinter stehe. Bürgermeister Hoffmann trat dafür ein, die Trägerschaft komplett zu übernehmen. Das bedeute zwar eine zusätzliche Belastung von 16000 Euro für die Stadt, aber sie habe dann auch das Sagen. Grundsätzlich sei es nicht möglich, die 15 Prozent, die noch von der Kirche finanziert werden, bei einer Übernahme aller kirchlichen Kindergärten einzusparen. Aber wenn der Anteil weiter reduziert werde, stelle sich diese Frage schon. Hoffmann wies weiter darauf hin, dass das Bistum die Überkapazitäten insbesondere in Bezug auf katholische Kinder sehe. Es bestehe aber ein Rechtsanspruch auf einen Platz für alle Kinder.
Die Übernahme des Kindergartens steht unter der "aufschiebenden Bedingung", so hatte es die SPD in den Ausschüssen beantragt, dass das Bistum Limburg für einen noch festzusetzenden Zeitraum bereit ist, die Mehrkosten auszugleichen. Nach Angaben von Bürgermeister Hoffmann sind 11000 Euro zusätzliche Personalkosten wegen der besseren kirchlichen Tarife zu veranschlagen. "Wir erwarten, dass uns diese für einen bestimmten Zeitraum erstattet werden."
Nicht angesprochen wurde während der Sitzung, dass die Pfarrgemeinde St. Vincentius sich schon seit längerem bereit erklärt hat, sich an Investitionen mit bis zu 30 Prozent zu beteiligen. Wie der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Hans Molitor, bestätigte, gelte dies auch für die Zukunft und werde aus einem Vermächtnis finanziert, das auf die früheren Dernbacher Schwestern in Hattenheim zurückgehe. Die Kirchengemeinde sei mit einer städtischen Trägerschaft einverstanden.
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de