Auf dem Winkeler Friedhof ist den Dernbacher Schwestern ein Denkmal gewidmet worden. Die letzten Nonnen vom Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi haben hoch betagt ihre Dienste in Winkel 1962 eingestellt. Auch in vielen anderen Orten im Rheingau waren sie tätig.
Um 1859 kamen die Nonnen aus dem Mutterhaus in Dernbach im Westerwald in den Rheingau, berichtete der Vorsitzende des katholischen Pfarrgemeinderates in Winkel, Dieter Glüsenkamp. In Winkel erwarben sie das "Schwesternhaus", das heutige Pfarrzentrum St. Josefshaus. Sie machten Krankenbesuche, pflegten Kranke, übernahmen Nachtwachen und Sterbebegleitung. Sie betreuten Kleinkinder, um berufstätige Mütter zu entlasten. Die Größeren förderten sie im Kindergarten. Frauen und Mädchen brachten sie praktische Kenntnisse in hauswirtschaftlichen Arbeiten bei. 1962 verließen sie Winkel. Mangels Nachwuchs waren in dem Orden fast nur noch Alte.
Im benachbarten Oestrich war den Dernbacher Schwestern im 19. Jahrhundert im Clemenshaus ein Hospital und Altersheim übertragen worden. Sie widmeten sich in Oestrich der ambulanten und Spitalkrankenpflege, unterhielten eine Nähschule für Mädchen, 1890 wurde eine "Verwahrschule" für bis zu 100 Kinder gegründet. In Eltville haben sie das Krankenhaus geleitet, in Hattenheim kurz nach 1900 gegenüber der Kirche ein Haus für eine Kleinkinder-Schule übernommen. In Rüdesheim leisteten sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts Krankendienst. Eine Niederlassung hatten sie auch in Kiedrich. In Martinsthal übernahmen sie Kloster Tiefenthal und betrieben ebenfalls einen Kindergarten. Heute betreiben en sie in Tiefenthal ein Bildungs- und Exerzitienhaus.
Das Denkmal auf dem Winkler Friedhof besteht aus Steinkreuzen eines Gräberfeldes der Schwestern, das eingeebnet worden ist. Die abgeräumten Kreuze waren hinter der Kirche gestapelt und von Moos überzogen. Reservistenkameradschaft, eine Bundeswehrkompanie aus Koblenz, Stadt, die Pfarrgemeinde St. Walburga und ein Steinmetzbetrieb sorgten für das Denkmal, das aus Spenden finanziert wurde.
"Jeder hat etwas dazu beigetragen", meint der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Glüsenkamp kam 1942 im Haus der Armen Dienstmägde zur Welt, berichtet er. Während der Bombardierung und Beschießung der Zivilbevölkerung durch die Allierten konnten Schwangere zur Entbindung ins Josefshaus und brauchten nicht den gefährlichen Weg in ein Krankenhaus zu unternehmen. Der 63-Jährige ist den Nonnen deshalb besonders verbunden.
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