Bericht - Glorreichen Rheingau-Tage


Über 500 Gäste haben am Sonntag bei der Riesling-Gala in Kloster Eberbach Höhepunkt und Abschluss der Glorreichen Tage miterlebt. Im Laiendormitorium des ehemaligen Zisterzienserklosters wurde ein Sechs-Gänge-Menü serviert, zu jedem Gang je zwei Rieslingweine aus Rheingauer VDP-Betrieben. Mit einem 1934er Rauenthaler Steinhaufen als Zwischengang machten die Hessischen Staatsweingüter auf ein Jubiläum in 2006 aufmerksam: Die Weinversteigerungen in Kloster Eberbach werden 200 Jahre alt. Am Wochenende gab es eine Reihe weiterer "glorreicher Veranstaltungen".

Mitunter war es ein geradezu poetischer Nachmittag im Spiegelsaal des Schlosses Johannisberg, wo exklusive Steigweine des Verbands der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) bei den "Glorreichen Tagen" verköstigt wurden. Von "geläuterter Kraft" und "melancholischer Süße" sprach beispielsweise Freiherr von Knyphausen, der eine Erbacher Hohenrain Riesling Spätlese des Jahrgangs 1971 präsentierte. Andere Vertreter der 24 Weingüter, wozu sich neben den Rheingauer Winzern sechs Weinmacher von der Nahe gesellten, begnügten sich mit nüchternen Angaben zur Lage, zur Ernte, zum Ausbau. Die Resonanz auf die Raritäten, die aus den Schatzkammern geholt wurden und nach Versteigerung nicht in den Verkauf dürfen, war ungebrochen und begeistert: Viele der edlen Tropfen wurden geradezu andächtig genossen. Spannender Höhepunkt war die Schloss Johannisberger Riesling Rosalack Auslese des Jahrgangs 1937. Christian Witte, der Geschäftsführer von Schloss Johannisberg, der die "Versteigerungsspitzen" moderierte, stellte den ältesten Wein, der bei der Verkostung geöffnet wurde, mit gebotenem Respekt vor. Fachleute und Weininteressierte genossen ihn mit beinahe zeremonieller Ehrfurcht bis auf den letzten Tropfen. Da wanderte nichts in den Kübel. Drei Generationen, und zwar Weine vom erwähnten 1937er bis zur Kiedricher Gräfenberg Riesling Auslese Goldkapsel des Weinguts Robert Weil und dem Erbacher Michelmark Riesling Eiswein des Weingutes Jakob Jung, beide Jahrgang 2002, flossen in die Gläser. Verköstigt wurden also Weine, die in Würde alterten, aber auch mal eben drei Jahre alte Tropfen, die erstaunlichen Charakter beweisen und den "Alten" Paroli bieten. Auf den Reichtum der Jahrgänge, der keine Grenzen kennt, wies VDP-Vorsitzender Wilhelm Weil mit Stolz hin. Schließlich präsentierte sich bei den "Versteigerungsspitzen" der Rheingau "in aller Freundschaft" mit den Edeltropfen der Nahe. Die Pluspunkte der interregionalen Kooperation hob Armin Diel hervor, Vorsitzender des VDP-Nahe. Souverän unterstützt wurde er dabei von Katharina Jost. Die deutsche Weinprinzessin, deren Eltern sowohl ein Weingut in Bacharach als auch in Walluf betreiben, amüsierte mit weintechischen Praktiken ihrer Kindheit und stellte zugleich ihr Spitzengewächs, eine Wallufer Walkenberg Riesling Trockenbeeren-Auslese, Jahrgang 1989, fachfraulich-versiert vor. Antike im Nassauer Hof Dreh- und Angelpunkt der Glorreichen Rheingau Tage sind die Veranstaltungen der einzelnen VDP-Weingüter, die sich seit Jahren zum Teil große Mühe geben bei der möglichst gelungenen Kombinaton von Rheingauer Weinen und besonderen Speisen. Bei Stammgästen sind einige dieser Menü-Abende inzwischen so beliebt, dass die Betriebe sie wegen des Andrangs noch einmal wiederholen müssen. Dazu gehörte auch in diesem Jahr wieder der traditionelle Abend des Winkeler Weinguts Fritz Allendorf im Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden. Leo Gros, Chemieprofessor und Weinauktionator, unternahm mit dem Publikum einen Ausflug in die Welt der griechischen Götter, dazu kochte Gerd Eis mit seinem Team von der "Ente" - "Götterspeisen". "FaEtes vos jeux" Der selbe Koch, ein anderes Weingut: Bei Balthasar Ress in Hattenheim steht jedes Jahr der Abend im Gutshaus (diesmal waren es ebenfalls zwei Abende hintereinander) unter einem besonderen Motto - diesmal hieß es "FaEtes vos jeux" . Die Spielbank Wiesbaden hatte Spieltische und Automaten mitgebracht. Nach dem Menü (Musik: Mr. Wonderful & friends) konnte jeder das Glück herausfordern, Hauptgewinn war eine Flugreise ins Spielerparadies Las Vegas. Bei Ress, wo Junior Christian jetzt gemeinsam mit Vater Stefan die Geschäfte leitet, setzt man bewusst auf junges Publikum - mit Erfolg. Für die Nacht im Keller mit vielen Weinen und kleinen Speisen, die sich ans Menü anschließt, gibt es noch einmal gesondert Eintrittskarten zu einem für jeden Geldbeutel erschwinglichen Preis. So freute man sich über ein volles Haus, und noch etwas machte Winzer Stefan Ress besondere Freude: "Es sind ganz viele Rheingauer da." Winzertrio und flotte Teller für die Vielfalt der Glorreichen Tage tand der Abend auf Burg Crass in Eltville. Er zeigte, dass Weinevents nichts zu tun haben müssen mit steifen Reden, langweiligen Tischnachbarn und dergleichen. Ganz im Gegenteil: das Winzertrio Jung, Künstler, Lang wandelte auf neuen, beschwingten Pfaden unter dem Motto " Riesling, Burgunder & Nu:Jazz". Ein unkonventioneller, unkomplizierter Abend, auf hohem Niveau, sowohl vinologisch als auch kulinarisch. Von Beginn an - man traf sich zunächst am Buchenfeuer auf der Terrasse bei Glühwein - herrschte beste Stimmung. Und Gastgeber Hubert Allert, Noch-Geschäftsführer auf Burg Crass, dessen Pachtvertrag Ende des Jahres ausläuft, hatte allen Grund stolz zu sein auf sein Team und sein bewundernswertes Burg-Interieur. Flotte Teller mit jeweils kleinen Köstlichkeiten wurden wie am Fließband gereicht, dazu flotte Musik von DJ Jan Hagenkötter. Seit 1989 ist Hagenkötter als DJ in der Welt unterwegs. Inzwischen Label-Chef (InfraCom!) mit eigenem Musikverlag ist der Frankfurter ein echter Allrounder. An diesem Abend fügt er geschickt elektronische und akustische Klänge zusammen. Jazz, Latin, Afro und eben viel Soul gab es zu hören. Perkussiver, treibender Uptempo-Sound im Wechselspiel mit dem einen oder anderen Klassiker. Das kam gut an. Da mundete eine Hochheimer Hölle von Gunter Künstler noch mal so gut. Und Hans Langs 2004er Riesling Charta lief wie Öl durch die Kehle. Und bei Winzer Jakob Jung wurden die Bestände an Weiß- und Spätburgunder sowie die Riesling Auslese Zug um Zug dezimiert.

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