Bericht - Konzept für altengerechtes Wohnen


Das Wohnprojekt, das der Verein "Aktives gemeinschaftliches Wohnen ab 50" in Hattenheim realisieren will, wird vom Grundsatz her von allen Seiten begrüßt. Knackpunkt ist aber die Größe des Bauvorhabens südlich des Bergwegs in Hattenheim.

Die Männer und Frauen im Alter von 57 bis 80 Jahren wollen in einer Gemeinschaft leben und streben ein möglichst selbst bestimmtes Wohnen an, auch unter den Bedingungen von Alter, Krankheit und Behinderung. Sie wollen sich untereinander helfen und sich auch im Gemeinwesen engagieren. Dazu haben sie sich ein rund 3300 Quadratmeter großes Grundstück ausgesucht, das in zweiter Reihe am Bergweg bebaut werden soll. Geplant ist ein Gebäudekomplex mit 14 Wohnungen, die zwischen 50 bis 60 Quadratmeter groß sind. Grundstückseigentümer ist Karl Christ von der Immobilien GmbH Sotal. Der Stadtentwicklungsausschuss hat inzwischen einen Beschluss zum Bebauungsplanentwurf Bergweg/Am Grabenfeld zurückgestellt, berichtet Vorsitzender Ludwig Jung (CDU). Es sei eine Besichtigung zusammen mit dem Ortsbeirat geplant. Mit dem bisherigen Entwurf wäre das Projekt nicht vereinbar. Das rund 41 Meter lange Gebäude, das aus zwei Einzelhäusern besteht, die durch einen verglasten Teil verbunden sind, würde die geplante Höhenfestsetzung um 1,50 Meter überschreiten, so Bauamtsleiter Rüdiger Ziethmann. Jung gibt aber zu bedenken, dass es aber um mehr als einen Meter tiefer liege als das noch bestehende Gebäude. Er bekundet "große Sympathie" für das Projekt. Dagegen weist Bürgermeister Bernhard Hoffmann (CDU) auf die "kritische und ablehnende Haltung" der Stadt hin. Das Konzept sei unterstützenswert, aber nicht um den Preis eines zu massiven Baukörpers. Die Baugrenze müsste nach Süden verschoben, der Geltungsbereich des Bebauungsplanentwurfs wieder geändert werden. Ein Hauptziel der Planung am Bergweg sei gewesen, so der Bauamtsleiter, größere Wohnanlagen zu verhindern. Pflege im AlterIn den beiden Häusern sollen in Erdgeschoss, Ober- und Dachgeschoss rund 1000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen, im verglasten Verbindungsteil eine 180 Quadratmeter große Gemeinschaftsfläche. Es seien Räume für therapeutische Behandlungen sowie Gästezimmer für Personen geplant, die sich an der Pflege ihrer Angehörigen beteiligen wollen, heißt es in einem Schreiben der Interessengruppe an die Stadt Eltville. "Wir sollten uns einem solch innovativen Projekt nicht von vornherein verschließen", meint Ausschuss-Vorsitzender Jung. "Wir müssen uns immer mehr um uns selber kümmern", sagt Hans-Peter Tietgen angesichts der demografischen Entwicklung und der Finanzierung von Pflege im Alter. Er gibt zu bedenken, dass weniger Verkehr als bei anderer Nutzung entstehe, weil nicht alle Bewohner ein Auto haben und der Pflegedienst nur einmal anfahren könne, um gleich mehrere Personen zu versorgen, so dass auch dadurch die Verkehrsbelastung reduziert werde. Eine Verkleinerung sei nicht möglich, sagt Karl Christ von der Firma Sotal, gegen Auflagen in Form einer Zweckbestimmung für altengerechtes Wohnen habe er aber keine Bedenken. "Das Objekt braucht diese Größe", nicht nur, weil sonst die Wohnungen viel teurer würden, sondern weil sonst auch das Verhältnis von Gemeinschaftseinrichtungen und Bewohnern nicht stimme. Es gebe mittlerweile schon viele Bewerber, die sich für Wohnungen in dem Haus mit unverbaubarem Blick zum Rhein hin interessieren. Befürchtungen wegen einer Beeinträchtigung der Aussicht von der oberen Häuserreihe seien unbegründet. Ein bereits genehmigtes Vorhaben in der ersten Reihe sei um 2,50 Meter höher als die zweite Reihe. Auch auf das Orts- und Landschaftsbild gebe es keine negativen Auswirkungen. Aus Richtung Rhein seien derzeit vom Bestand nur Dachspitzen zu sehen. Und das neue Gebäude werde noch 1,25 Meter niedriger als die Nachbarbebauung.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de